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78) Gießen. Sonntag den 20. Januar, Abends 5 Uhr, wird im Elubb-Saale Unterzeichneter zu seinem Benefiz das Oratorium „Ruth" von Alois Schmitt zur Aufführung bringen, der Tert hierzu ist an der Kasse zu haben. Dem Ora- torium vorher wird Hr. Aloys Schmitt sein beliebtes Clarierconcert in D moll noch vortragen. Hierzu ladet ergebenst ein
Gießen den 14. Januar 1850.
H. Hofma n n , Mufikdirector.
95) Gießen. Ein junger Mensch von angenehmen Aeußcrn, welcher die Regeln der französischen Sprache mehrere Jahre eingeübt, der französischen Ortographie kundig ist, und sowohl im Schön- als im Schnellschrelbeu gehörige Anerkennung sich erworben sucht eine Stelle. Wo sagt die Erped. d. Bltts.
90) Gießen. Um den mit „Eilt" bezeichneten Aufschluß schleunigst benützen zu können, wird gebeten, den bei der Unterschrift fehlenden Namen mündlich oder schriftlich zu nennen.
Gießen den 4. Januar 1850. Abends.
82) Gießen. Ein fleißiges und gcsittettes Mädchen, welches, wo möglich mit Kindern umzugehen versteht, wird sogleich in Dienst gesucht. Wo sagt die Erped. d. Bltts.
88) Gießen. Nr. 36 hat die Bctlcouvcrte gewonnen.
89) Lollar. Der Wagenmcister Konrad Rohrbach von Lollar, sucht mich in allen Wirths- häusern auf alle mögliche Weise zu verlänmden, da vielleicht mancher meiner verehrlichen Mitbürger diesen Rohrbach nicht genauer kennt und nicht weiß, ob derselbe mit Recht oder Unreckt dieses ausspricht, so sehe ich mich genöthigt, die Ursache dieser Ver- läunidungen der Ocffentlichkeit zu übergeben.
. Ich hatte gedachtem Rohrbach einen Vogelskäfig geliehen und konnte nicht anders als durch Klagen zu meinem Eigenthum gelangen; hierdurch sowohl, als auch daß er die Wahrheit zu vcrläug- nen suchte, entstanden einige Gulden Kosten. Ich möchte gedachten Rohrbach noch warnen, daß er Sonntags Morgens während der Kirche etwas Nützlicheres treibt, als wie am verflossenen Sonntag den 6. Januar.
Lollar am 9. Januar 1849.
I. Wißner, Schreincrmeister.
A u s z u l e i h e n.
59) Gießen. 560 fl Vormundsgeld liegen zum Ansleihen bereit. Ausg. d. Bltts. sagt wo.
Ein Rettungshaus für Blinde.
Keine Zeit kann rühmen für ihre Armen und Bedrängten aller Art so gesorgt zu haben, oder noch sorgen zu wollen, wie die unsere. Das Wohlthun ist zu unserer Zeit Bedürfnis geworden und man unterzieht sich des Spendens mit Lust. So wars sonst nicht. Darum ist aber auch in unserer Zeit möglich, wovor man sonst erschrak, wenn je einem ein Gedanken kom
men wollte auf Kosten des Wohlthätigkeitssinnes EiwaS zu unternehmen. Man hat G l a u b e n und Vertrauen gelernt; man hat aber auch gelernt sich zu überwinden, wenn man nach Materiellem fragte und entsagt wirklich manchem Genüsse sogar, um wohlthun zu können. Diese Erscheinung ist neu, d. h. sic ist aus deut alten selbstsüchtigen Schutte wieder hervorgekommen und steht vor uns in dem schönsten Lichte. Sollen wir Beispiele anführen? so verweisen wir auf die fast allerwärts blühenden Klein -Kinder- Bewahr -Anstatien, Rettungshauser für sittlich verwahrloste Kinder, Sorge für entlassene Sträflinge, bessere Erziehung der Jugend, Spar- und Leihkaffen k. Keine dieser Anstalten ist befohlen oder von Staatswegen angeordnet und ins Leben gerufen. Nein, es ist die Privatwohlthä- tigkeit unserer Tage. — Bei all dem hat man einer Klaffe von armen, und wohl der A er nisten unter denselben noch nicht gedacht. Es sind dieses unsere armen Blinden. Mehr denn 100 solcher finden sich allein in unserm Großherzogthume, und noch niemand hat sich ihrer angenommen *) Ach, die meisten ziehen als bettelnde Musikanten oder auch ohne dies, im Lande umher und gehen dadurch nach Leib und Seele zu Grunde. Sollten wir sie aber nicht retten und erlösen können von diesen Irrfahrten, bei welchen immer zwei verderben, der Sehen de, der des Blinden Ange ist, und der Blinde selbst. Der erste durch Betrug an dem Blinden verübt unv durch Tagdieberei, und der andere durch das Wanderleben und die Härte und Kälte oder die Leichtfertigkeit seiner Umgebung ? — Ja, dem ist abzuhelfen und zwar durch Errichtung eines Asyls, in welchem der Arme, vom 6ten Jahre an Unterricht und Erziehung, Beschäftigung und Lebensunterhalt findet. Der Unterzeichnete hat es im Namen Gottes unternommen, ein solches Asyl zu eröffnen, und so Gort Gesundheit und Leben schenkt, bis zum 1. April 1850. Schon liegen schöne Beiträge aus allen Theilcn, von Dolen au im Hinterlande bis nach Zwingenberg an der Bergstraße, in seinen Händen. Freilich sind auch arme Blinde (bis heute 27) schon genug angcmcldet, welche meistens dringend um Aufnahme bitten. Gestattete es der Raum dieser Blätter, ich würde einige Gesuche abdrucken lassen. Eins müssen wir aber mil- theileu, weil cs ein ganz besonderer Fall ist. Unterm 26. October 1849 schreibt Herr Pfarrer Oeser zu Lindheim unter anderen Folgendes! „Daß ich Ihnen nicht früher geschrieben, das hat seinen Grund in der Ueberzeugung, Sie wüßten wie viele blinde Kinder, und wie alt, dieser unglückliche Georg Hut hier habe. An meinem aufrichtigen Wunsche, den armen Kindern geholfen zu sehen, werden sie nicht einen Augenblick zweifeln. Wiederholt habe ich mich bei der Staatsbehörde für den armen Vater und für seine Kinder verwendet, und der einzige Trost, der mir und ihnen gegeben, war: die Gemeinde solle für sie sorgen. Ist cs möglich, daß nunmehr auf andere Weise für sie gesorgt werde? Ich wage kaum zu hoffen. Könnte ich nur etwas bieten, ich hätte längst an Sie geschrieben" tc. k. „ Jndeß nehmen Sie mtch und die armen
*) Ohne zu verkennen, was Hr. Prof. Dr. Balser gc- Ihan und Hr. Dr. Küchlcr zu Darmstadt noch ttjut, d y. wo Heilung möglich ist. Was gibts aber mit denen, an denen entweder eme Operation unmöglich ist oder wo sie nicht gelingt?---


