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selbst sind, und daß solche Vereine überall den Wählern der Bezirke einen Candidaten weder arrfdringen
sollen noch können, sondern nur empfehlen dürfen. Dazu gehört aber Kenntniß der Candidaten und cs ist
eine Pflicht der Billigkeit für diese Vereine, wenn einmal ein Candidat Vertrauen in größeren Kreisen besitzt, auch diesen Candidaten zu hören. Diese Vereine kennen aber, wie uns von dieser Seite ausgesprochen
worden ist, unfern Candidaten noch nicht, und haben wir sie deszhalb auf diese Pflicht der Billigkeit auf
merksam gemacht, beide Candidaten einzuladen und zu den Wählern sprechen zu lassen. Die Spaltung im Wahlkreise würde doch nur von der Seite ausgehen, welche die Rücksicht auf die Wähler wie die Candidaten einseitig vernachlässigen wollte.
Der Hauptpunkt aber, der von unserm Vereine gegen die Candidatur des Herrn Hofgerichtsrath Völcker geltend gemacht wird, ist, „daß er während der ganzen Bewegung mit seinen politischen Grundsätzen in keiner Form klar in die Oeffentlichkcit getreten sei". Wir haben dem Gerüchte, daß die demokratische Partei den Herrn Hofgerichtsrath Völcker angetragen habe, ihn -als ihren Deputirtcn für die Landtagswahl vorzuschlagen, keinen Glauben beizulegen gewagt. Jenes Gerücht bestätigen die Herrn nun selbst durch ihre Erklärung. Auch Dr. Engelbach erklärte vor der Wahl unseres Candidaten, daß die Demokraten eher für Herrn Völcker stimmen würden. Wir überlassen dem Publikum das Urthetl, ob ein Mann in seinen politischen Grundsätzen klar in die Oeffentlichkeit getreten sei, dem von zwei sich schroff entgegcnstehenden Parteien die Candidatur für die Landtagswahl angetragen worden ist.
Wenn aber die Herren endlich die Möglichkeit erwähnen, daß unser Candidat, der erst so kurze Zeit im Lande sei, dem ihrigen vorgezogen werde, so spricht das wohl sehr zu Gunsten unseres Candidaten, daß er in so kurzer Zeit das Vertrauen in so weiten Kreisen sich erworben hat und beruhigt uns über die Prophetengabe der Herren.
Darnach haben die Herren nur der Auslegung des Gesetzes vorgegriffcn, unsere Ansicht über ihren Candidaten durch ihre öffentliche Erklärung bestätigt, und unserem Candidaten, d. h. Herrn Professor Kö ll- n e r, selbst das größte Lob ertheilt.
Gießen, den 11. Februar 1850.
Der Vorstand des
Der Stellvertreter des Vorsitzenden:
v. Bufeck, Forstmeister.
3 weite
Ne-e 3ii einer Volksversammlung in Gießen.
Verehrte Mitbürger!
Als ich das erstemal diese durch so viele zwecklose unb stürmische Volksversammlungen unterwühlte Tribüne bestieg, war Eure s. g. Volkssouverainität noch anerkannt, Ihr dictirtet Euren demokratischen Willen, begleitetet theilweise Eure Machtsprüche mit starker Betonung und wenn man nach Gründen suchte, so war es schwer andere zu finden, als diejenigen jenes Despoten, welche sich in dem Satze vereinigen: „so ist es, ich will es !" Ich erhob damals meinem Stimme warnend gegen die radiealen Thorheiten und Auswüchse der Demokratie, bei welchen Bildung, Gesittung, kurz die letzten Zwecke jedes Staats vernichtet werden müßten, ich weissagte Euch das baldige Ende der Negierung des damals herrschenden Rattenkönigs, an dessen Puls und Physiognomie denkende Männer, die sicheren Zeichen einer politischen Geisteszerstvrung erkannt haben wollten, ■ allein die Thoren, deren Zahl groß war, verlachten mich und fügten neue Streiche auf den Credit und den Ruf unserer Vaterstadt, in dem Wahne, dem Vaterland dadurch (und vielleicht auch sich) einen Dienst zu leisten.
„Wo rohe Mächte sinnlos walten, Da kann sich kein Gebild gestalten."
Die öffentliche Ordnung in Deutschland sucht sich aufs Neue herzustellen, man bemerkt, daß die Regierungen , welche tolle Staatserperimente machten,
Reichswahlvereins:
Der Schriftführer:
ör. Milbrand, Professor.
wieder zu längst Erprobtem zurückgreifen, eine solche Reaction ist Fortschrilt. Mit der Ordnung belebt sich Euer Geschäft, denn der Credit ist gleich einer Maus, sie schlüpft nur aus dem Loche, wenn Alles ruhig und sicher ist.
Aber was sehen wir jetzt? Alle deutsche Patrioten wollen die Einheit, die hiesigen Constitulio- n eilen wollen sie auch, können sich aber nicht einmal um einen rechten Mann, der sie vertritt, einigen und stellen das vollkommenste Bild der Zerrissenheit dar. Liebe Mitbürger! die beiden Parteien legen uns ihren Streit zur Entscheidung vor, mit scharfsinniger Persönlichkeit sind sie sich zu Leibe gegangen. Ich denke das Erkenntniß fällt uns leicht denn — wir ver urth eil e n sie beide. Eure Kandidaten — so wollen wir ihnen erklären — sind brave Leute, aber sie haben keinen öffentlichen Charakter, sie haben uns wohl dieses oder jenes vorgeredet, aber das kümmert uns nicht, wir wolle» anerkannte Biedermänner, welche sich im öffentlichen Leben, in ihren politischen Gesinnungen ohne Rücksicht auf Gunst oder Ungunst bewährt haben. Wir wollen keine Proben mit Reichstagscandidaten machen, wir wollen keine Solche, welche sich überall als Candidaten hervorgedrängt haben, sondern solche, welche ihres Verdienstes willen gesucht werden. Euer Schicklichkeitsgefühl wird Euch sagen, wer für sich ambirt und agitirt, wer gar zahllose Agenten herumgcsendet hat, um gewählt zu werden, der kann nicht der Rechte sein, denn sonst bedürfte er solcher Mit-


