Beilage zu .N 72 des Anzeigeblattes.

Vermischte Nachrichten.

1902)

Gießen.

Gomeert fwr Schleswig «Holsteisr.

Die Gymnasiasten werden heute, Samstag den 7. Septbr., Abends 6 Uhr, in W dem Saale des Geftllschastshausts unter Leitung des Herrn Musikdirektor Hoffmann rgj für Schleswig Holstein ein Concert geben, und bitten um geneigten Zuspruch. Hy Billets zu 18 kr. sind an der Casse zu haben. —

1906) Kle > nlinden.

Kleinlindener Kirchweihe findet Sonntag den 8. und Montag den 9. Sep­tember Statt. Hierzu ladet mit dem Bemerken ein, baß das Musikchor des in Wetzlar liegenden

12. Husaren-Regiments in seiner Gartenwirthschaft musiriren, sowie, daß für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt werden wird. Z. Rinn.

Die zweite Compagnie der Bürgerwehr hat vom 8. bis incl. den 14. September die Feuer­bereitschaft und den Ordonnanzdienst.

Das Ober-Commando der Dürgerwehr.

(1914) Fresenius.

1910) Gießen. Am 5. d M. schlug Herr Leib in seinem Lokale einen kleinen Savoyarden, der zur Belustigung der Gäste unter Anderem Vogelstimmen nachpfiff, mit den höchst naiven Wor­ten auf den Mund „ich leide solche Rohheit nicht." Ohne Ausnahme wünschten die Gäste die Pro­duktion des Kindes fortgesetzt, worauf aber Herr Leib mit gereiztem Tone und Geberden entgegnete: »das ist mir ganz einerlei, ich dulde das nicht, ich bin hier Herr," ebenso auf Vorstellungen „das find meine Sachen, daS geht Sie nichts an." Schließlich warf Herr Leib, (was Jemand Anderm gehört hätte) das arme Kind zur Thüre hinaus.

Man ertheilt Herrn Leib wegen der RücksichtS- lofigkeit und Mißachtung gegen seine Gäste eine öffentliche Zurechtweisung.

1908) Klein lind en.

Beuch turiftswerth!

Da durch daS Verdummungssystem der Muckerei, welche doch nichts ist, als eine Erziebungö- anstalt für das Hospital Hofheim, viele Mädchen von der Belustigung dcS Tanzes abgehalten wer­den, so ersuchen wir alle, noch von der Muckerpest befreit gebliebenen tanzlustigen Mädchen, sich fünf, dgcn Sonntag den 8. d. M. auf der Kirchweihe zu Kleinlinden einzufinden.

Mehrere Bursche.

*** 3m Hess. Zuschauer Nr. 170 befindet sich ein Artikel über die erfolgte Wahl der Candidaten zu den beiden Bcigeordnetenstcllcn. Der Verfasser jenes Ar­

tikels, obgleich mit Gießen und vielen Bewohnern sehr bekannt, scheint noch über die Gesinnung und Ansichten der Bürger Aufschluß zu bedürfen, denn nach dem Sinne und Wortlaut des Artikels bcurtheilt derselbe die gesammten Bürger nach einigen ihm bekannten Wirihshaus-Politikein, auf welche aber auch nur die angeführten Citationen, wie überhaupt der ganze Sauf- Abschnitt seine Anwendung finden kann. Eine Klage über allzugeringe Betheiligung an der Wahl ist sehr an ihrem Orte, aber das Mißverkennen der Ursache hierfür, wird die Richtigkeit obiger Behauptung be­weisen. Aus Nachstehendem ist nach meiner und ge­wiß auch nach der Meinung vieler selbststän­diger Bürger die Ursache zu folgern.

Die politische Meinung der aufzustcllenden Can- didaten ist Nebensache, die Fähigkeit aber, ein sol­ches Amt bekleiden zu können, Hauptsache. Die Candidaten müssen verständige, achtbare, in ihren Ver­hältnissen möglichst günstig gestellte Männer sein; Letz­teres deßhalb, um dem Amte unbeschadet ihres Er­werbes, Zeit und Aufmerksamkeit widmen zu können. Wir haben solcher Bürger viele, und zu bedauern ist es, daß nicht einige namhafte Bürger zusammentraten, um Candidaten aufzustellen und vorzuschlagen.

Der größte Theil der in jenem Artikel enthaltenen Fragen würde durch ein anderes Resultat beantwortet sein. Den bitteren Urtheilen gegenüber — welche der Verfasser über eingerissene politische Gleichgültigkeit hat hören müssen, will das Urtheil entgegen stellen, wel­ches ich wie mancher Andere hören mußte: „Politi­sches Kannegießern, regelmäßiger Besuch des März- vereins, Sitzungen, der Prästdentenstuhl eines demo­kratischen Vereins," empfehlen für ei» bürgerliches Eh­renamt ic. womit jedoch nicht gesagt sein soll, daß alle der aufgestellten Candidaten solcher Empfehlung ihre Wahl verdanken. Denn ich bin fest überzeugt, daß Einige derselben unter den Höchstbestimmten ge­wesen sein würden.

Schließlich mache ich die Bürger auf die Wich­tigkeit der bevorstehenden Gemeinderathswahl aufmerk­sam. Lasset seiner Zeit eine Einladung zu einer Be­sprechung resp. Aufstellung der Candidaten ergehen, prüfet und emvfehlet nicht einseitig, wählet Männer, welche die nölhigen Eigenschaften besitzen, und eine Klage über Gleichgültigkeit wird hoffentlich nicht nö- thig werden.

1860) Ei» Bürger.