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1807) Gießen.
Durch die Veränderung des Fahr-Planes der Main-Weser-Bahn, gehen die Familienwagen nunmehr in folgender Ordnung ab:
Der erste Wagen geht des Morgens präcls 4 Uhr ab, und steht in Verbindung mit dem in Friedberg abgehenden zweiten Eisenbahnzuge.
Der zweite Wagen steht in Verbindung mit dem hier ankommenden ersten Bahnzuge von Cassel, und schließt sich an den in Friedberg abgehenden dritten Bahnzug.
Der dritte Wagen steht in Verbindung mit dem von Cassel kommenden zweiten Bahnzuge, und schließt sich an den in Friedberg abgehenden vierten Zug.
Der vierte Wagen steht mit dem von Cassel kommenden dritten Bahnzug in Verbindung, und schließt sich an den in Friedberg abgehenden ersten Bahnzug.
Weiter wird noch bemerkt, daß die Wagen von Friedberg auch mit den hier abgehenden Zügen zusammentreffen. Melden sich eine gehörige Anzahl Passagiere in hiesiger Stadt, so können dieselben ihre Beförderung direkt erhalten, ohne auf die ankommenden Zuge warten zu müssen; auch können dieselben unterwegs beim Fahren durch die Stadt noch einsteigcn, nur muß man bitten, schweres Gepäck zuvor im Gasthaus zum Darmstädter HauS abzugeben, woselbst auch die Reisekarten zu haben sind.
Gießen den 26. August 1850. W. Rühl.
1821) Gießen. Ein Familienlogis, bestehend in 2 Stuben, Cabinet, Küche, am liebsten mit einem Garten, wird zu miethen gesucht. Von wem? sagt Ausg. dieses Blattes.
1879) Gießen. In der Neustadt wird eine Familienwohnung zu miethen gesucht. Von wem? sagt die Erped. d. Bl.
1822) Gießen. Ein braves Mädchen, welches mit allen häuslichen Arbeiten umgehen kann, auch das Kochen versteht, wird auf Michaeli in Dienst gesucht. Von wem sagt Ausgeber d. Bltts.
Die Zukunft Gießens.
Betrachtungen von der Eisenbahn aus.
Habt ihr, verehrte Gießer, vor einigen Tagen den gellenden Pfiff der Locomotive gehört, welche zum erstenmale eurem Thore nahte? Habt ihr Alle begriffen , von welcher Bedeutung dieses Ereigniß für die Gestaltung dieser guten, harmlosen Stadt werden dürfte, wenn es vergönnt ist, den Schleier der Zukunft ein wenig zu lüften? Dieser Wasserdampf, an und für sich ein nichtiges Object, gehört zu den mächtigsten bewegenden Kräften,, nur ihm haben wir den kolossalen Aufschwung zu verdanken, dessen sich die Industrie und der Verkehr in der neuesten Zeit zu erfreuen haben. Mit Grund hat man diese Bahnen als die Adern des großen Netzes bezeichnet, welches das sociale Leben umfaßt, könnt ihr euch nicht daran betheiligen, so werdet ihr bei Seite liegen bleiben und in fortwährende Kleinstädterei versinken, was einen Rückgang in vielen Richtungen zur Folge haben muß. Ihr wollt den Fortschritt, die Bewegung, sie sind hier euch gewährt. Laßt sehen, was zu erwarten ist.
Für's Erste, wird dies die letzte großartige Baute sein, welche Gießen in seinen Mauern erblickt. Die Staatsbauten, brachten bisher manchen Verdienst, sie werden aufhören, es fehlen die Mittel und überdieß hat man Gießen das „verwöhnte Kind unseres Landes geheißen, weil cs stets mit besonderer
Vorliebe von der Regierung mit solchen Unterstützungen bedacht wurde. Wir haben Gründe zu glauben, daß die Regierung die gewährten Hülfsmittel nicht mehr hier, sondern in anderer Richtung verwenden werde.
Für's Zweite wird die Vollendung der Eisenbahn unsere Emancipation von den Preißen einer Menge von Handelsartikeln werden. Man wird in 2 Stunden in Frankfurt sein, seine Auswahl bei größeren Einkäufen treffen, besser und wohlfeiler kaufen und die Reisekosten überdieß damit gewonnen haben.
Die Universität wird sicher immer mehr schwinden. Ihre Studierfreiheit ist so groß, daß Niemand mehr genöthigt ist zu kommen, dagegen bestehen mancherlei Reize ihr den Rücken zu kehren. Von den Hauptpunkten des Landes gelangt man nach dem malerischen Heidelberg, woselbst die Lehrstühle in vieler Hinsicht besser besetzt sind, in kürzester Frist, es ist dort eben so billig wie hier. Mit der größeren Einheit Deutschlands werden ohnedieß die kleineren Universitäten, durch den Partikularismus entstanden, schwinden, die wissenschaftlichen Forschungen werden sich in C e n t r a l p u n k t e n vereinigen, wie dies bei allen großen Nationen der Fall ist.
Es steht eine Organisation der Behörden bevor, welche die hiesige Beamtenüberladung beschränkt und mehr auf das flache Land zum Besten der Landbewohner vertheilt, welche nach den so oft verkündeten Gesetzen der Gleichheit auch etwas genießen wollen, wofür sie Steuer zahlen. Alle Privilegien sollen schwinden. Die Häuser werden dann noch mehr int Preiße fallen, die Miethen werden sich bedeutend mindern.
Fragen wir: worin bestehen die Hanpteinnahms- guellen unserer Stadt, so sind sie in Vorstehendem angegeben, verlieren wir sie oder gehen sie theilweise ein, so müssen wir daran bei Zeiten denken, unsere Hülfsmittel zu ergänzen. Aber wodurch?
So wie jetzt der Einzelne untergeht, welcher nichts gelernt hat, so auch in größeren Kreisen. Wir müssen uns in größeren Schwung zu bringen und zu retten suchen vor dem Untergang in Kleinstädterei und Krähwinkelei, an welcher so viele Städte ver-


