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Vermischtes
Dturt und Verlag der G. D. B r ü u l 'scheu Buch- und Sleindruckerei in Gießen.
Das landwirthschastliche Journal für Hoch- schottland enthalt eine Abhandlung über die dortiqe Fütterung der Pferde, welche wir int Interesse derjenigen Landwirthe, welche sich mit dem Anbau von Bohnen beschäftigen, hier mittheilen. Während der Wtntermonate erhält jedes Pferd eine Gabe kleinge- hackter Bohnenstengcl mit etwas leichtein Korn oder geringer, durch Schwingen abgesonderter Bohnen vermengt. Hierzu gibt man einige Rüben und eine Hand voll Salz. Das Ganze wird mit so wenig Wasser als möglich übergossen und in einem Kessel gekocht, um es in einen Teig zu verwandeln, den man dann lauwarm werden läßt. Nichts ist für Arbeitspferde angenehmer, als dieses warme Futter, welches man ihnen gleich nach dem Abschirren und Abtrocknen darreicht. Sie fressen dasselbe mit Begierde und verschmähen dann jedes andere Futter. Die Kosten dieses Futters sind unbedeutend. "Nur Morgens und Mittags versetzt man es mit ein wenig Hafer und rohen Bohnen. In allen Pachthöfen der thonigen Distrikte Schottlands werden die Pferde vom Herbst an bis zum nächsten Sommer ausschließlich mit diesem Futter genährt. Wo Pferdebohnen nicht gut fortkommen, verwendet man Erbsen und ihr Stroh, doch steht dieses dem Bohnenstroh nach.
Cabmetspredigt, wrlrljf Gottlirb Kober zum Tröste -es Landmanns gehalten hat.
Bauer! was stützest du den Kopf? Hältst du bet' glückseligsten? Schlechte Glückseligkeit, schlechtes Vergnügen, lautet die Antwort, der Bauer der verachtetste Mensch, der Bauer der geplagteste Mensch, dem Bauer wird's sauer' Kem Esel darf sich oft so martern, als sich der Bauer muß placken! Sei zufrieden, Gott hat es so geord- net, wir müssen Alle den Bissen Brot im Schweiß des Angesichts essen! Ach! aber des Bauern Arbeit m Zu viel. Ich muß arbeiten für mein Maul, für mnneö Weibes Maul, für meiner Kinder Mäuler, nicht genug, auch für die Mäuler meiner Knechte und Mägde, noch nicht genug, ich muß arbeiten auch für das Maul des Fürsten, für die Mäuler seiner Diener, für das Maul der Soldaten, für das Maul meines Pfarrers, des Schulmeisters, sammt ihren Weibern und Kindern. Ach! wie muß ich nicht ackern, Men, graben und dreschen für so viele Mäuler! Was hab' ich dafür? Die ganze Woche nichts als Wassersuppe, roggene Tunke, Erbsen, Sauerkraut, Steifmatz und einen Soff kalt Wasser, ein paar grobe leinwandene Hosen, Schuh mit Bast gebunden, einen werdenen Stab in der Hand!
Lieber Bauer! ich rede dir zu mit Sirach's Worten: Ob dir's sauer wird mit deiner Nahrung und Ackerwerk, das laß dich nicht verdrießen; denn Gott hat's so geschaffen, andern Leuten wird's auch sauer. ^?! ober so sind sie doch dabei nicht so verachtet. Was verachtet? Thoren sind's, die den Bauer verachten. Hat doch Gott keine andern Leute als Bauern erschaffen. Sie heißen Bauer vom Bauen, weil sie Anbauer des Landes sind. Von Natur sind alle Menschen Bauern, denn Gott hat den Menschen geschaffen, die Erde zu bauen. Was war Adam, der erste Mensch? Kein König, feilt Gelehrter, kein Soldat, kein Kaufmann. Was denn? Ein Bauer. Mußte er nicht gleich das Paradies bebauen? Alle Erzväter sind Bauern gewesen, die meisten Israeliten, viel Propheten und Apostel.
Ackerwerk, ein wacker Werk. Der Feldbau eine selige Sache! Bauern sind gesegnete und erwünschte Leute. Wer sie verachtet, versündigt sich. Wer kann doch ihrer entrathen? Ist manchmal bösen Wetters wegen der Markt etwas leer, o wie klagt man also- bald über Mangel an Getreide, Butter, Eier und Käse, und Bauern müssen Große und Kleine, Reiche und Arme ernähren. Sieh nur ihren Namen an! Jeder Buchstabe wird dich's lehren. Heißt es nicht, der „Bauer" bereitet Armen das Brot und ernähret
Reiche Er tsset Quark und schwarzes Brot, dadurch aber speiset er seinen Landesfürsten mit Wildpret Eonfeet und dem delieatesten Weine. Er bindet seine Schuhe nut Stroh und Bast, aber damit schafft er den Großen die Federn auf den Hut, Gold auf die Kleider, Geld in den Beutel. Jener arme Bauer wußte es in Einfalt zu sagen, alö einst ein großer
Roßhändler die Pferde durch seinen Schloß- U; er verlangte nämlich den Vorkauf, und wollte sich welche nach Belieben auslesen. Hinten nach ritt ein armer Bauer mit seinen zwei dürren Pferden, welche er aus Noch verkaufen mußte. Der
^T?aat9?nd ^st'g über diesen Aufzug an zu lachen. Der Bauer antwortete in seiner Einfalt:
nicht, chr lieben Herren, daß meine Pferde kein Fleisch auf dem Leibe haben, es steckt dasselbe in cuJ‘Öcn(’ meine müssen die eurigen ernähren, das ^rot, das ihr selbst esset, müssen sie erbauen. Zwänge mich die Noch mcht, ich würde sie noch nicht ver' kaufen. Dem Fürsten gefiel die Rede wohl. Er hstß dem Bauer so viel Geld reichen, als er für die Pferde forderte, und schenkte ihm noch die Pferde. Wohl qe- chan Arbeiteten Bauern nicht, die größten Städte wurden oft darben müssen.
(Fortsetzung folgt.)
Sohnenftroh als Pferdefutter.


