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Haus- und Landwirtschaftliches.
Zerstörung -cs Äbkrittgernchs mittelst erdiger Braunkohle.
Die auf Seite 47 des Monatsblatts des Gr. Gcwerb-Vereins vom Jahrgang 1845 enthaltene Notiz über diesen Gegenstand ergänzen wir durch folgende weitere Mittheilung des Hrn. Schulinspec- tor Sold an in Friedberg, indem wir bemerken, daß die auf Veranlassung des Gr. Gewerbvereins hierüber angestellten Versuche noch nicht umfassend genug sind, um sie veröffentlichen zu können.
"Ich habe immer die gewünschte Wirkung vollständig dadurch erhalten, daß ich die Braunkohle in seiner Pulverform in Quantitäten von etwa 20 bis 40 Pfund auf einmal von oben in das Abtrittsrohr werfen ließ. Der Abtritt ist im untersten Stock und die Grube nicht tief, so daß die ganze innere feuchte Wand des Rohrs mit dem Staube bedeckt wurde. In einem anderen Hause wurde die beabsichtigte Wirkung im dritten,Stocke noch vollständiger dadurch erreicht, daß man alle Paar Tage wenige Handvoll absichtlich gegen die innere Wand des Rohrs warf, so daß es sich von oben bis unten anhängte. Immer scheint es wesentlich, daß das Pulver überall im Innern verthcilt und feucht werde; doch ist es keineswegs nur so lange wirksam, als es vollkommen über die riechende Fläche ausgebreitet bleibt, denn bei mir wirkt die oben angegebene Quantität auf einem von einer zahlreichen Familie besuchten Abtritt jetzt wieder schon über einen Monat lang, um allen, vorher sehr unangenehmen Geruch zu entfernen. Gefahr daß das Rohr dadurch verstopft werde, ist nicht vorhanden, indem man die Erde mit Wasser, wo solches zu befürchten wäre, hinabschwemmen kann. Versuche, die ick an geöffneter und umgerührter Grube voll entsetzlich stinkender, sehr flüssiger Jauche anstellte, ergaben fast augenblicklich eine Milderung des Geruchs, als ich die Oberfläche mit Pulver bestreuen ließ. Weniger vollständig, aber doch bedeutend, war das Resultat, als ich den ziemlich consistenten in Fäulniß begriffenen Inhalt einer andern auf dieselbe Weise bestreuen ließ. Ich glaube, daß hier ange- fcuchteies Pulver besser wirken würde, indem man es trocken ausstreut und mit der Brause einer Gießkanne leicht besprengt. Alle Versuche, die mir bekannt geworden sind, sind mit nicht hermetisch geschlossenen Gruben angestellt worden, wo sich also nicht blos Ammoniak entwickelte, wie dies in viel gebrauchten gut geschlossenen gewöhnlich angetroffen wird. In diesen hatte ich schon früher mit sehr gutem Erfolg rohes Gypsmehl, wie es aus die Arcker gestreut wird, aus dieselbe Weise anwenden lassen. Ich bin
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also überzeugt, daß eine Verbindung beider Stoffe, etwa im Vcrhältniß vön 1:1, die Braunkohle gegen den Gyps völlig genügen wird. — Ich bitte übrigens, die Versuche auch mit Steinkohlen, und zwar mit den schlechtesten pulverigen Sorten, gle ck- falls anstellen zu lassen, weil erst dadurch die Entdeckung für größere Kreise nützlich werden würde.
(Monatsblatt Nr. 11. pro 1845 des Gr. Gewerb-Vereins)
Ein neues Düngemittel.
Dieser neue Dünger besteht in einer Beize des Samens, gründet sich ans die Theorie Sprengcl's, wonach die Pflarzen durch die humussauren Salze des Bodens ernährt wer. den sollen, und bezweckt hauptsächlich das humussaure Ammoniak billig herzustellen, so daß die Kosten für 1 berl Schfl. Aussaat nicht über 1 Sgr. zu stehen kommen und es sich feder Landwirth selbst bereiten kann. Der Erfinder, der Apo. thcker Maschke zu Marienburg, hat dieses Mittel im Herbst 1813 bei 100 Schfl. Roggen, die er in sehr leichtes Lane, fast Sand, gesäct, in Anwendung gebracht, und das Ergeb- niß soll glänzend gewesen sein. Die Mistlauge zum Einquellen der Samen wurde aus einem dem Zweck entsprechenden Compost bereitet, und zwar nach Angabe des Erfinders auf folgende Art: Man lasse eine Lage von '/>, Fuß nassem, frisch gegrabenem, gut verrottetem Torf und i Fuß hoch trocknen frischen Pferdemist von Pferden, die stark mit Körnern gefüttert sind, auf eine Fläche festen Lehmbodens, und in solcher Entfernung, als es das Bcdürfniß nöthig macht, auffahren; diese Schichten müssen drei Mal wiederholt werden; zuletzt muß noch eine '/- Fuß dicke Torflagc den Schluß machen. Den auf diese Weise erhaltenen Composthaufen umgebe man mit einem 2 Fuß tiefen Graben und lasse die Lehm- erde davon nach der Außenseite des Grabens aufschütten, damit sich ein fester Wall bilde, der das etwaige Regenwaffer abhalten kann. Nun wird der Saufen so lange mit Wasser, aber nicht heftig begossen, bis sich etwas Feuchtigkeit in dem umgebenden Graben cinfindet; hierauf bleibt er 14 Tage so liegen; alSdann muß et mit Sorgfalt so umgestochen werden, daß Mist und Torf ein möglichst genaues Gemenge bilden. Beim llmstechen achte man fa darauf, daß die Masse die gehörige Feuchtigkeit zur fernem Mistgährung, bekommen hat, und sollten sich noch trockene Lagen von Pferdemist vorfinden, dann müssen sie sofort mit Wasser begossen. werden. 11 Tage nach dem Umstechen kann die Laugenbildung vorgenommen werden, die einfach und leicht so geschieht, daß man so viel Wasser in geringen Partien übergießen läßt, bis sich eine erforderliche Menge Flüssigkeit im Graben gesammelt hat. Diese Flüssigkeit muß noch zwei Mal auf den Saufen zurückgegoffen werden, damit sie zum Gebrauch recht eon- cenirirt erhalten wird. 24 Stunden vor dem Säen werden auf jeden berliner Scheffel 5'Z, Quart von dieser Mistlauge und 7, Pfd. salzsaurer Kalk (nicht Chlorkalk) in einen Bottich zusammengebracht; sobald die Samen beim öftern Um- stechen die Lauge aufgenommen haben, werden sie auf eine Dielenl.ge geschüttet und eine neue Partie Saatgetreike kann in dem Bottich eingelaugt werden. Der salzsaüre Kalk ist in der chemischen Fabrik zu Schönebeck bei Magdeburg, daS Pfund für 1 Sgr., zu haben.
Buch- und Steindruckerei in Gießen,


