Nr. XXXI. 4. August. 1798*

Giesser Jutelligenzklatk.

Der

Vbst - Most in seiner Zubereitung/ nach vierjähriger Erfahrung geprüft und Durch richtige Vortheile erläutert.

Der Obstmost ist als ein vorzügliches Produkt anzusehen. Die Engländer dür­fen stolzer darauf ftyn, wenn wir ihren Cyder nachahmen, als die Franzosen, wenn sie uns, wie Chamäleone ihre Hauben, Hute und Kleiderzuschnitte alle Jahrenach- öffen sehen. Bet dem großen Weinman- gel, der sich seit einigen Jahren auS un­terschiedlichen Ursachen, besonders wegen der Frühlingsfrosten und kalten Nächten, auch wegen einer anhaltenden nassen Wit­terung vor, in und nach der Trauben- blüthe offenbaret, wird der Werth dieses Getränks bei den erhöheten Weinpreisen allgemein anerkannt. Es ist daher kein Wunder, wenn der Hausvater aufdieZu- bereitung des Obstmostes ein vorzügliches Augenmerk richtet. Die Erfahrung lehrt, daß der Unterschied von diesem nüzlichen Getränk sehr groß ist, und oft nicht sowohl von den verschiedenen Gattungen des Ob­stes und den kalten oder warmen Gegen­den unsere Vaterlandes, als vielmehr von der Zubereitung dieses Getränkes herkommt; eines Getränkes, welches nun manchem de­likaten Maul anstatt des Weins, dessen Preis gegenwärtig über alle Vernunft ist, dienen muß, und sich bei manchen Has­sern und Verächtern, als ein gesundes Ge­tränk und ein angenehmes Labsal rechtfer­tiget. Da ich nun in einer mehr als dreis­sigjährigen Erfahrung stehe, viele Versuche mit der Verfertigung des Obstmostes ge­macht und manche glückliche und dankbare Nachahmer gefunden habe, so will ich

meine Erfahrungen und Vorschläge dem Publikum , dem ich gern in diesem ökono- mischen Fach nüzlich seyn möchte, mitthei« len, und getrost erwarten, was etwa ein billiger und kluger Hausvater zu erinnern, zu verbessern und zu vervollkommnen hat.

§ r»

Beschreibung des Obftmostes.

Der Obstmost ist ein Getränk/ welche- aus vorher gemahlenen und gepreßten Bir­nen oder Äepfeln oder beeden Obstarten untereinander bereitet, von den Trestern geschieden und zum Gebrauch in Fässern in einem guten Keller verwahrt und auf­behalten wird. Er ist zwar bei weitem nicht so geistreich als der Traubenwein; jedoch steigt er auch, besonders mehr im Anfang der Währung , in den Kopf, be­täubt und berauscht'seine allzugrosse Lieb­haber. Ein mäsiger Gebrauch davon löscht den Durst weit eher als der Wein. Dieses Getränk ist daher dem Landmann und Ar­beiter in der Erndte zu seiner Erquickung weit lieber als der Wein.

§. 2.

Vom Mahltrog , worin das Hbst klein gemacht wird.

Der Mahltrog, worin daS Obst ver­mittelst eines runden Mühlsteins, der an einer langen Stange geht, klein gemahlen werden muß, wird aus einem runden Stück Eichenholz wohl auSgehauen und in einen halben Zirkel, der hinten und vor- nen noch einen nnausgehauenen Kopf ha­ben muß, gebildet. Die Stange, welche etwa zehen Schuh lang und rund seyn muß, wird