Ausgabe 
26.3.1796
 
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Von den Glocken und ihrem Gebrauche, besonders von der Tag - und

Abendglocke.

Verfolg.

Die Glocken haben äusser dem Gebrauch zu den gottesdienstlichen Versammlungen auch in weltlichen Sachen ihr Amt zu ver­richten. Man läutet z. E. bei Einzügen gros­ser Herren, bei Todesfällen der Fürsten und Landesregenten, bei Krönungen, Huldi­gungen, bei der jedesmaligen Zusammen, fünft des Magistrats an den meisten Or­ten, und noch bei andern Gelegenheiten.

Auch qiebt eS noch allgemeine Zeichen mit den Glocken, die Gefahr andeuten, z. E. wenn Feuer auskommt, wcnn Was- frrSnoth vorhanden re. Gewöhnlich aber werden die Glocken zur allgemeinen Ver­sammlung in den Kirchen, bei Hochzeiten, Kindtaufen nnd Begräbnissen gebraucht. Leider ist hie und da an einigen Orten noch der Gebrauch vorhanden , alle Glo­cken bei Donnerwettern zu läuten, wenn schon die tägliche Erfahrung lehrt, daß diese Personen am meisten vom Blitze er­schlagen werden, die im Lauten begriffen find, und nur im Jahr i?85- sind in Teutschland 37 Männer auf diese Art erschlagen und daS Opfer des Aberglau­bens geworden; denn man will glauben, daß durch den Schall der Glocken die Gewitter vertrieben werden könnten, wo dar-Gcgentheil hinlänglich erwiesen ist»

In Ansehung der Tageszeit ist die Morgen - und Abendgkocke schon etwas al?s. Pabst Calig'tuS der zte, hat die erste eingeführt, um den Weg wider die Türken zu erhalten, weil sie im vierzehn­ten Jahrhundert viele Verwüstungen in, Europa anrichteten. Das Wort Türken- aiocke ist daher noch an verschiedenen Or- teu im Gebrauch. Die Abendqlocke ist zum Andenken des englischen Grufts-ingeführt, bey den Katholicken heißt es schlechtweg:

das Ave Maria. Indessen ist unter emeM großen Theil der Protestanten auch noch der Gebrauch, wenn die Morgen -und Abendglocke geläutet wird, ein Vater Unser zu beten. An sich selbsten ist die Beibehaltung dieses Gebrauchs lobens, .tvmb und untadelhaft, und es ist für jeden Christen eine Aufmunterung, zn wissen: daß indem nämlichen Augenblicke so viele Tausende ihr Herz zu Gott erhe­ben. Aber es misfallt dem wahren Chri­sten , wenn z. E. in einer lärmenden Wirthestube auf den Ton der Glocken mit einemmale Alles den Hut abnimmt, Die Karten oder das Trinkglas hinftzt, und ein Vater Unser betet, weil niemand hie­bei andächtig feyn kann! Unter Leis Protestanten soll eigentlich die Morgen­glocke nur den Aufschluß der Thore in den ©tobten, und auf dem Lande, den Land­mann zur Arbeit aufzurufen bedeuten; und die Abendgkocke den Schluß Der Thore anzeigen, und das Zeichm für den arbei­tenden Landmann ftyn, sich zur Ruhe zu begeben.

Die Glocken gehören einer jeden Ge­meinde, hangen deswegen auch an öffent­lichen Plätzen und in der Höhe.- Man darf deswegen auch keine Glocken verkau­fen , äusser im höchsten Nothfall und zum allgemeinen Besten, wie es im za jährigen Kriege geschehen ist, um die Forderungen der Feinde befriedigen zu können.

Den grösten und allgemeinsten Nutzen geben indessen die Glocken dadurch, daß sie durch die Schlage des Uhrwerks, in der ganzen Christenheit die Stunden de«k Tages und in der Nacht anzeigen.

Gewisse Thorheiten , die dem Aber­glauben sehr nahe granzen , müssen wir noch berühren. Z E. wenn die Stunde nicht ganz aueschlagen kann, oder fort- schlagt, ohne aufzuhören: da soll es immer etwas wichtiges bedeuten, aber am meisten, wenn