Ausgabe 
4.6.1796
 
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Auweisirng, Lirschen ohne Rerne zu ziehen.

Beschlu S.

Es ist zu bemerken, daß bei dieser Art von Pfropfen, wofern eS gerathen soll, durchaus kein Eisen gebraucht werden muffe, und zwar aus dem physikalischen Grunde, weil sich das Eisen abnutzt, und also in allen Fallen etwas zurück läßt, das den Lauf der Nahrungssäfte hindert, oder Letztere gar verdirbt, welches sich an einer durchgeschnittenen Frucht leicht wahrneh­men läßt, als welche an dem Orte des Messerschnitts schwarz anläuft. Man muß sich auch wohl in Acht nehmen- daß man/die Wände der Markröhre nicht zu sehr bekratze; denn weil dieses der em­pfindlichste Theil an einer Pflanze ist, so könnten dieselben leicht beschädigt werden. Wenn der Kitt eine vollkommene Festig­keit erlangt zu haben scheint, so muß man das Bandabschneiden. Die Kirschbaume, welche diese gefährliche Operation haben aushalten können, haben zu wachsenfort­gefahren, sind zu ihrer natürlichen Größe und Stärke gelangt, und haben Kirschen ohne Kern, oder vielmehr solche, die an­statt des Kerns nur etwas weißes, ohne die geringste Dichtigkeit hatten, hervorge- bracht.

Sie sind eben so groß und von eben dem Geschmack, wie andere von eben derselben Gattung. Aus dieser Beobach­tung kann der Schluß gezogen werden, daß das Mark in den Bäumen zur Fortpflan­zung unentbehrlich sey, und eigentlich den neuen Saamen derselben Art hervorbringe; denn weil der vorerwehnte Baum keinen Keim in seinen Früchten hervorbringt, so kann er auch nicht wieder fortqepflanzt werden. Es istauch zu glauben, daß man auf gleiche Art mit andern Bäumen, welche Kernobst tragen, würde verfahren können, und daß aus gleichen Ursachen gleiche Wir­kungen erfolgen würden«

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Eine andere Methode, Kirschen unV Pflaumen ohne Kerne zu ziehen, ist fol­gende. Man soll nemlich auf einen Kirsch­baumstamm, der etwa 2 Zoll im Durch­schnitte hat, 2 Pfropfreiser einander gegen über pfropfen. Wenn hernach beide Rei­ser beklebt sind, laßt man solche bis zum Frühling des folgenden Jahrs wachsen, und wenn die bequeme Zeit zum pfropfen ist, schneidet man die obersten Gipfel von beiden Seiten ab, so daß eines so hoch als das andere bleibt, spaltet den einen Pfropf­reis oben auf, und nachdem man den an- dern Keilförmig zugeschnitten , steckt man ihn in des erstem Spalt, dergestalt daß Schale an Schale kommt, und verbindet die Zufammenfügung wie gewöhnlich mit Baumwachs. Wenn nun die beiden Rei­ser oben zusammengewachsen und beklebt sind, so schneidet man den einen ab, da denn der übriggelassene in dem folgenden Jahre Kirschen geben soll, welche zwar in- wendig einen kleinen weichen Kern, jedoch ohne harte Schale haben.

Ein gewisser Liebhaber der Gärtnerei pfropfte einen Reis von einem Pflaumen­baume auf einen Quitienbaum, und bog da solches geschehen, eben diesen Pfropf­reis, und pfropfte dessen Spitze an einen andern Ort eben dieses Quittenbaums ein, und verwahrte und verband dies an beiden Enden mit Thonerde. Hierauf klebte der Reis an beiden Enden, und trieb Zweige, welche Pflaumen trugen, .die an Geschmack denjenigen gleich waren, davon, der Pfropfreis genommen war, mit dem Unterschiede daß diejenigen, welche aus der eingepfropften Spitze des Reifes ge­kommen, keinen ordentlichen, sondern ei­nen ganz kleinen ; dahingegen die andern Pflaumen, welche aus dem stärksten Ende des Reises gewachsen, ihren gewöhnlichen Kern gefuhrer».

GottLD*