Ausgabe 
24.10.1795
 
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Geschichte der Nrautrürge.

Der Ring ist ein Erbstück des Akter, thums, dessen erster Erfinder aber vcr- geffen ist.

Schon bei den Hebräern und Aegyp, tern war der Ring gebräuchlich, von weichen Völkern er alsdann zu den Grie» khenund Römern kam: Anfangs bediente man sich in Rom blöd eiserner Ringe, und nur die Gesandten, die an auswär, ttgr Mächte verschickt wurden, durften goldene tragen: nachher erlaubte man dieselbe auch den vornehmsten Römern, denen theils das Wohl des Staats, theils die Oberaufsicht über die Armeen anvertraut war, und da ein solcher gol» dener Ring, eine hübsche Hand nicht Verunstaltete, so wußten die jungen Mäd» ehe» und Weiber sich die Erlaudntß, eben» falls Ringe tragen zu dürfen, allmäh. lig zu erschleichen, und so wurden sie am Ende so allgemein , daß man nicht mit einem Ringe zufrieden war, sondern alle Finger und sogar alle einzelne Gelenke derselben mit Ringen bestectte.

Der Ring bedeutet das Glied einer Kette, das StückeineSGanzen, und da» her trugen in den älter» Zeiten ganze Fa. Milien Ringe von einer und derselben Form, sodaß, wenn sich die Leute auch nie persönlich gekannt hakten, und sie anih» ren Fingern, einerlei Ringe bemerkten, sie sich Lettern und Verwandte nannten.

Ein schöneres Zeichen ober Symbol gab der Ring von der Freundschaft ab, weil er etwas festes, etwas ewiges be. deutete, und daher war es nicht unge# wöhulich, daß wenn Freunde sich von einander trennen mußten, sie einen Ring zerbrachen, und jeber ein Stück davon behielt und sorgfältig aufbewahrte: traf sich es nun, daß ein Bekannter deck einen nach dem Wohnorte des andern reiste, so

durfte ihm jener nur fein Stück Ring nntgcben, um von diesem aufdas freund, schafrlichste ausgenommen zu werden, man hielt die beiden zerbrochenen Stücke zu» sammen, und paßten sie in einander, so ward dieser Fremde auf das herzlichste bewillkommt, und so gastfrei bewirthet, als wenn jener Inhaber des Stückchen Ringes, selbst gekommen wäre.

Daß der Ring endlich bei den Ver, lobten als ein öffentlich erklärendes Heirathsjeichen eingeführet wurde, rührt daher, weil man den Ring ursprünglich zum Siegeln brauchte, in­dem sonst aus jedem ein Petschaft gesto­chen war: Wenn nun ein Liebender sei- nem Mädchen einen Ring gab, so hieß das ungefähr so viel, als ob er die Ver­sicherung, daß er es liebe, und heira- then wolle, hiermit feierlich unkersiegke, und fein gegebenes Wort nie zurückneh, mcn werde. Ob alle Bräutigams ihr Versprechen so heilig gehalten Haden, ist «ine andere Frage.

Eigentlich trägt man den Brauk­oder Trauring am vierten Finger der linken Hand, weil dieser, nach der Mei­nung der Alten, eine Ader enthalte, die mit dem Herzen in genauer Verbindung stehe: nur die Juden hahen ihn meisten. theilS an der rechten Hand, welche ich auch dazu zweckmäsiger finde, als die linke, denn meine Rechte muß meiner Frau doch lieber seyn , als meine Linke, die ihr wenig erwirbt und wenig ins Haus verdient: nora bene wenn man nicht links ist. Am Mittelfinger den Ring zu legen, wurde svnsi für unkeusch und unzüchtig gehalten , und nur feile Mädchen zeichneten sich dadurch aus: Unsere alten Teutjchkn trugen die Ringe am Daumen der rechten Hand, dernoch ten verschiedenen Ringen, Oie man jeze noch