Ausgabe 
11.4.1795
 
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Von der Anlegung der Deiche»

Die Gewalt der Wellen hl vermö» gend, die kollbarstrn D« che, womit man das Eindringen der Finth in die Marsch- lander zu verhüten sucht, zu zerstören. Es ist hierbei ein fast allgemeiner Fehler, baß man diese Deiche, um sie desto« her aufzuführen, und desto mehr Land zu gewinnen, gemeiniglich sehr steil ma« rher: und so Gelegenheit giedt, daß die ganze Gewalt Otr anschlagenden Wellen in sie wirken kann. Die Bewegung der vom Sturme erregten Wellen geschiehet nach der Horizonkallinie. Da nun rin Körper mit aller seiner Kraft in den an» dern wirket , wenn er senkrecht an ihn an stoßet, so muß die Wirkung der Wrl. len in die Deiche nothwendiq desto grö- ßer seyn, je naher der Winkel, den sie mit der Wasserfläche machen, einem rech» len Winkel kommt. Je steiler also die Deiche.in die Höhe geführt sind, mit desto mehr Macht müssen die Wellen in sie wirken können; dahingegen ihre Wir» kung desto geringer seyn muß, je stum­pfer der Winkel ist, welchen die Deiche mit der Wasserfläche formiren. Die Er» fahrunq bestätiget dieses überall. Die größte Gewalt der Wellen vermag nichts gegen einen flachhinstreichenden Hügel, da sie hingegen die stärksten Mauren mit leichter Mühe umreißt, und die höchsten Gebirge unten aushölet, die ihr gerade «ntgegenstehen.

Wären die Deiche in der Marsch so schräge angelegt, daß sie nur einen gelin­den Abhang nach der Wafferseite dinhäk- len, so würden sich die stärksten Wellen daran brechen, und ohnmächtig wieder ablaufen, ohne dem Deiche einen erheb« lichen Schaden zufügen zu können. So aber, da sie als Mauern dastehen, und den Wellen Trotz bieten, ist esqar nicht tz» veswundern, daß Hit Westen im

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Grunde, vermöge ihrer ungrhenrenLast, so oft einen Bruch verurlachey, der ganze Provinzen den Ueoerschwimmungen aus» setzt, well ihn die Gewalt des Wassers in wenig Augenblicken dergestalt «rwei- tert und ausjchleift, daß man ungeheure Lasten, ja ganze alte Schisse hineinsen- ken , und doch öfters mit allen Anstalten nicht so viel wieder erhalten kann, baß der Deich daselbst wieder befestiget wer» den könnte. Es würde zwar verschie» denen Schwierigkeiten unterworfen seyn, wenn man die alten Deiche verändern und neue anlegen wollte, die einen fla« ehern Abhang hätten: allein , wenn man das Unglück, den Schaden und die Ko­sten erwäget, die der Durchbruch und die Wiederherstellung der Deiche verur­sachet, so kommen d-e mehresten Schwie- rigkeiten dagegen in keine Vergleichung» Es heißt z. E. daß die schrägen Deiche so viel Land erforderten, und die Eigen« thümer dieses Landes damit nicht zufrie« den seyn könnten, daß ihnen ihr Land zum Nutzen des gemeinen Wesens genom­men würde. Allein dieser Einwurf trifft vorerst nur diejenigen Länder, wo die Deiche so dicht an der Küste liegen, daß eS nicht möglich ist , ihnen im auswen­digen Umfange diese Schrägheit zu ge­ben. Hernach ist es auch billig und wahr« scheinlich, daß eine Provinz, die durch dergleichen Anlage neuer Oeiche vor so großen Gefahren sicher gestellt wird, den Eigenthümern auf gemeinschaftliche Ko­sten den Verlust ihrer Ländereien vergü­ten werde , welche Kosten allemal besser angewendet seyn würden , als die man an die Wiederherstellung der alten Dei« ehe und die Ersetzung des erlittenen Scha­dens wenden müßte. Man sagt fer­ner, es würde an manchen Octen große Schwierigkeit geben, so viel Erde zusam­men zu dringen, als zur Anlegung der Deiche m solcher Art erfopdm werden