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Dieses Projekt wollten die Franzosen schon aus­führen, als sie im siebenjährigen Kriege dahier ein Lager bezogen hatten, ihre schnelle Wieder- entsernung aus der llmgegend von Wetzlar ver­eitelte jedoch die Vollziehung dieses Vorhabens.

Von früheren Unternehmungen dieser Art ist in der Geschichte unserer Stadt und Gegend nichts bekannt.

Sollte cs nicht jetzt an der Zeit seyn, dieses Projekt wieder aufzunehmen, wenn man erwägt, wie ganze Gegenden immer weiter von ihrem ehe­maligen Wohlstände zurückkommen und früher oder später ihrem völligen Verderben entgegen ge­hen. Trage hieran Wohlleben und Verschwendung, oder wirkliche Rahrungslosigkeic die Schuld, dies kann gleichviel seyn, aber die Wahrheit steht fest: Geholfen soll und kann werden, so lange noch nicht alle Mittel der Ab- und Aufhülfe ermangeln, und diese fehlen wirklich noch nicht ganz."

Die wichtigste Unterstützung widerfährt einem Lande, wenn das Getriebe seines Kunstfleißes und Handels in möglichst lebendige Thätigkeit gerätst. Kein Mittel dazu ist umkangvoller und umfassender, als die Eröffnung zahlreicher Ver­bindungswege zu Wasser und Lande, wo­durch eine Gegend der andern ihre Erzeugnisse zuführt und einer Menge sonst verdienstloser Men­schen Geld und Brod verschafft.

Hätten Gießen und Marburg, Weil­burg und Wetzlar eine Wasserstraße, so wür­den sich diese Städte mit ihrer Umgegend der Seg­nungen eines wechselseitigen lebendigen Gewerbs- und Handelsverkehrs erfreuen, wer diese kennen zu lernen wünscht, der beobachte nur die deut­schen und andere Handelsstädte; hier ist der Raum nicht zu einer vollständigen Darstellung dieser Segnungen.

Die gedachten Städte bieten schon von Natur die bequemsten Landungsplätze für Schiffe, die zu Berg oder zu Thal den Lahnfluß befahren, und diese Plätze würden mit vergleichungsweise geringem Kostenaufwande noch bequemer herge­richtet werden können.

Die Lahn kann nur durch Anlegung von Schleußen schiffbar gemacht werden und ist reich genug an Fahrwasser, um int Herbste, Winter unö Frühling zur Beschiffung zu dienen; da aber SI Sommer sich ihr Fahrwasser sehr vermindert, so wirb dadurch eine angemessene Vermehrung der Schleußen und damit ein entsprechender stär­kerer Kostenaufwand nöthig, wobei, wie sich von selbst ergiebt, nach Verhältniß der Verminderung der Tragekraft des Wassers, die Schiffslasten sich verringern müßten. An Holz und Steinen, die zum Baue dienen, fehlt es in den Gegenden der genannten Städte nicht. Das Aufwandska­pital würde sich reichlich verzinsen und sicherer, wenigstens eben so sicher angelegt werden, als bei Eisenbahnen, Dampfmaschinen und fremden Wasserstraßen (z. B. dem Donau- und Mainkanal). Sollte das Unternehmen, wobei man nichts wagt, nicht durch Anlehen, versichert auf die Einkünfte desselben, ausführbar seyu, oder sich nicht den reichen Aktionärs aus den Gegenden der gedach­ten Städte und aus andern Theilen Deutschlands empfehlen, die ihre Gelder nicht mehr, oder doch nur zu sehr geringen Zinsen in Staatsschuldbrie- fen anbringen können; oder sollten es die hohen Regierungen, unter welchen diese Städte und Ge­genden stehen, unbeachtet lassen, welche der lange öffentliche Friede mit großen Geldmitteln verse­hen hat, die Staatsschulden abzntragen und die hierdurch gesammelten Ersparnisse zum Aufkom­men und Gedeihen des Handels und des Gewerb- und Kunstfleißes ihrer Länder zu verwenden, wo­durch die Angehörigen aller betriebsamen Volks­klassen vor einer mit völliger Verarmung drohen­den Zukunft bewahret werden.

Die Vorsehung segne die Anregung, welche zur Ausführung eines für unsere Gegend, beson­ders wegen des wohlfeilern Transports des Stein- und Braunkoblenbedarss so höchst wohlthätigen Werks hier gegeben wird.

W.

) Aus dem Wetzlarischen Intelligenz-Blatte vom 17.

Januar 1839.