Ausgabe 
10.2.1838
 
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Extra-Beilage

Nr. 6. des Gießer A n z e i g e b l a r t S.

Gutev Math, *

O er fror ne Kartoffeln zu benutzen.

Wenn sie Kartoffeln gefroren sind, so setze man ein Kübel, Gelte oder ein sonstiges Gefäß in ein öocal wo es nicht friert, schütte so viel Kartoffeln (sie dürfen aber noch nicht zum Auf- thauen gekommen sein) in dasselbe, daß das Gefäß ungefähr bis auf % Fuß gefüllt ist, dann wird das Gefäß mit frischem Brunnenwasser angefüllt, so daß das Wasser %. über Die Kartoffeln zu stehen kommt. Nach 6 Stunden wird das Wasser wieder abgegossen und frisches aufgeschüttet. Ist dies geschehen und es sind abermals einige Stunden verflossen, so werden die Kartoffeln nach gewöhnlicher Art geschält und mit kaltem Brunnenwasser gereinigt, dann gerieben oder mit einem Stampfer in einem Tröge oder dergl. klar zermalmt. Diese Masse wird mit flacher Hand durch ein feines Sieb in ein Gefäß mit Wasser gerieben, das Gröbere was zurückbleibt, muß wiederholt zermalmt und durchgerieben werden, bis alles durch das Sieb geht. *)

Ist auf vorgeschriebene Weise verfahren, so gieße man noch frisches Wasser auf die durch­gesiebte Masse, rühre diese tüchtig um und lasse es stille stehen, bis sich die Masse gesetzt hat, dann läßt man das obenstehende Wasser ab, schüttet die Masse in einen Korb re., worin ein Leintuch liegt, so daß das vorhandene Wasser follenvs durchdringt. Hierauf trocknet man die Masse wie Stärke auf Leintuch-Horten. Wenn solche zu trocknen beginnt, wird sie von Zeit zu Zeit aufgelockert, und ist die Masse gehörig ausgetrocknet, so reibt man solche mit den Händen einmal durch und siebt das Ganze durch ein gewöhnliches Mehlsieb, wo sich die grobem Theile absondern. Dieses Mehl ist zu Kuchen, Klößen -c. sehr gut zu brauchen und steht in mehreren Fällen dem Waizen - Mehle nichts nach **).

Die kleinen Kartoffeln, die nicht gut zu schälen sind, kann man für das Vieh, am besten aber für Schweine, auf folgende Art benutzen. Die Kartoffeln werden, wie oben erwähnt, in kaltes Brunnenwasser gethan, werden dann von dem Wasser befreit und auf gewöhnliche Weise gesotten, zermalmt und in ein Faß gestampft, zuvor aber mit Salz gemengt. Diese Masse wird auf gewöhnliche Art verfüttert.

Wem eine so große Quantität Kartoffeln erfroren ist, daß solche in kurzer Zeit nach vorgeschriebener Art nicht behandelt werden können, der suche solche nur in Gefäße zu bringen und schütte Wasser darüber, sie halten sich so vier Wochen lang und können gebraucht werden wie bei den andern vorgeschrieben.

*) Bei einer besonders dazu eingerichteten Reibmaschine ist dies nicht nöthig.

**) Kartoffelmehl wird zu dem allerfeinsten Backwerk gebraucht; die Verbraucher lassen die Kartoffeln vorher ausfrieren.