Die Antoniter in Grünberg.
(Beschluß.)
Der Vorsteher dieses Hauses hi cs anfangs Provisor oder Verweser, nachher Präceptor / im Deutschen Meister und Gebieter. Denn durch eine Menge von ansehnlichen Schenkungen und Stiftungen von splchen, welche sich in die Brüderschaft aufnehrnen liefen, oder des Genusses der Seelmessen theishaftig werden wollten, stiegen Macht und Reich- thum dieses Hauses bald zu einer ansehnlichen Höhe. Ihre Kirche erlangte einen hohen Altar und mehrere Nebenaltäre. Der Präceptor erhielt ans den Hessischen Landtagen den Sitz unter den Prälaten, welchen später die Universitäten Marburg und Giessen , als Erben der Güter der Antoniter, eümahmen.
Die Antoniter — man nannte sie gewöhnlich Thöngesherrn, — trugen ein langes schwarzes Gewand mir einem blauen Antoniuskrenz, in Gestalt eines T, auf der linken Seite. Der Präceptor trug dieses Kreuz um den Hals, mit einem daran befestigten Glöcklein. Eines eben solchen kleineren Kreuzes oder Hammers mit dem Glöcklein bedienten sich die Boten und Laienbrüder, welche oft in entlegene Länder ausge- schickt würden, Almosen zu sammeln. Denn dieses gehörte unter die Ordensregeln , obgleich das Grünberger Anto- niterhaus desselben nicht bedurfte. Die Almosen wurden zu dem Hospital verwendet.
Schon 1242 befassen sie den Hof zu Rittgelshaussen in der Grafschaft Nidda. Ulrich von Müuzenberg schenkte ihnen 1251 einen Wald bey Wettcrfelden. Vorzüglich zeichnete sich die ansgegangeue Familie vorn Sassen durch mehrere ansehnliche Schenkungen aus. Sie wurden dadurch so begütert , daß sie.1489 dem Kloster Arnsburg 8000 Goldguldcn, damit es feine abgebrannten Klosterge
bäude wieder aufbaueü konnte, vorstreckten. Arnsburg vermochte diese grche Summe nicht wieder abzutragen, und trat dafür seine Besitzungen und Gefälle im Buseckerthal und Hüttenberg au die Antoniter ab.
Das Gen.eralcapit.el des Ordens war in Vienne. In Grünberg war eine Ge- ueralpräceptorey oder Valley, welcher mehrere Antoninshaüser in der Umgegend untergeordnet waren. Der neugewählte Präceptor mußte iedesmal vom Landesfürsten bestätiget werden. Das Antoniterhaus und Kirche wurden mit vielem Aufwande erbauet. Sie stauben am Ende der Stadt nach Giessen zu, und mau nannte davon dieses Thor dasAn- touiusthor. Von deM heil. Antonius, welcher hier mjt seinem Attribute, dem Schwein, in Stein ausgchaueit war, nannten sie Spötter die Saupforte. Landgraf Ludwig IV. errichtete dieses Haus zu einem Fürstliche« Schlosse zu: heutzutage dient es den beiden Beamten zur Wohnung. Die 'Kirche wurde von der Universität zum Frnchtboden verwendet.
An lnxhrercn anderen Orten wohnten statioufw'ii oder Boten, welche die Gefälle beittiebeu. Ein solcher wohnte auch in Giessen. Ei« reicher Einwohner, Conrad Faßaiid, hatte sein Haus vor dem Wallthor, mit mehreren Gärten und Gitterstücken ," den Antoniter» 1379 vermacht. Dieses Hans wurde in der Folge veräusert, und dagegen 1576, äls unter Landgraf Ludwig IV. eine neue Strafe, die Neuen Bäue genannt, in dem Burggarten angelegt wurde, daselbst von der Universität Marburg ein ansehnliches Dogteygebäude, das ietzige Päbagoggebäude, erbaut.
Bekanntmachungen.
1) Nachdem erforderlich ist, um das Invenkarium über den Nachlaß des verstorbenen Burgers Anton Schäfer und dessen


