Ausgabe 
28.5.1808
 
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Gedanken von -er Geneigtheit, das Böse eher als das Gute von andern zu glauben.

Böses und Gutes ist in der Welt miteinander vermischt, und es ist kein Mensch, der lauter Gutes, und auch kei­ner, der nicht?, wae besser seyn könnte, an sich habe. Dieses Böse sowohl als das Gute ist nun so beschaffen, daß es andern Gelegenheit giebr, davon gewisse Urtheile zu fällen, wenn es ihnen be­kannt wird. Ob nun gleich ein jeglicher Mensch, der sich selbst kennt, io viel Dinge an sichsinpct, über deren Recht­mäßigkeit ober Unrechtmäßigkeit er ur= »heilen sollte, so lehrt doch die Erfahrung, daß die meisten nicht ihr eigncS, sonder» anderer Verhalten ihrem Urtheile unter» werfen.

Indem ich aber diese Urtheile meiner Mitbürger uniersucht, so habe ich gesun­den, daß sie immer mehr Böses von an­dern gesagt a!S Gutes, und zwar des­wegen, weil sie das Böse, das andere an sich haben sollen, immer mehr ge­glaubt, als das Gute. Ich habe dar­aus den Schluß gemacht, daß sich bei gar vielen eine grösere Leichtgläubigkeit in Ansehung des Bösen, als des Guten befinden -müsse. Ich habe dieses Ver-, halten untersucht, und diese Leichtgläu­bigkeit alS eine solche Sache gesunden, di- alles Abscheues würdig, man' möge sie nun nach ihren Gründen, oder nach ihren Folgen sich vorstellen. Sollte je­manden diese Sache allzubekannt vor- koumen, den versichern mir; daß wir auch jetzo von nichts ändert», als von einer bekannten Sache haben handeln wollen.

Es ist gut, daß ich es hier mit kei­ner einzeln Person, oder einem gewissen Stande zu thun habe, denn ich befürchte,

daß ein jeglicher es für eine Beschim­pfung anjehuwürde, wenn man von ihm eine Fertigkeit behaupten wollte, einer Sache oder Erzehlung Bevfall zu geben, ohne daß er vorher die Wahrheit oder Falschheit derselbe» auS ihren Gründen., g-eprüst Hütte. Es liegt in uns ein ge­wisser Abscheu gegen den Zunahmen ei# nee Leichtgläubigen, mai, verlangt' ein starker Geist zu seh», nur die,es ist zu bedauern, daß di-jenigen ost am meisten dadurch ihre Leichtgläubigkeit beweise», daß sie sich für starke Geister halten. Am allermiudsten will man die Leichtgläubig» keit in Ansehung der dösen Gerüchte nicht au sich kommen lassen, weil mau wohk sieht, daß eine wiche Fertigkeit in die Ge|ellschaft des geringsten Pöbele ver-

(Der Verfolg künftig.)

Bekanntmachungen.

i) Die Erben der zu Stauffenberg verstorbenen Pfarrer Buschischen Ehe­leute sind entschlossen, nachbenannte Stücke, nemlich

1. das jn Stauffenberg belegens massive WohnbauS, welches sieben geräumige Zimmer nebst mehreren Cabinets enthalt, wobei verschiedene grose Keller und ein Gewölbe zur Brauerey nebst verschiedenen dernö- thigsten Gerätschaften, auch die er­forderliche öcvnomischeGebaude, und

l einige Gärten in einem verschlosse­nen Hof, befindlich sind, sodann auch

II. die denselben zustehendenzwey Zwölstheile des Auezehntrns zu Fronhaufen an der Lahn, und

Hl. den bet) Sichertshau sen gelegenen Hochwald von ohngefehr 28 Morgen,

öffentlich an deirMeistbietenden den zoten Map Nachmittags i sihr in dem Gast-

. - Haus