Ausgabe 
27.8.1808
 
Einzelbild herunterladen

) 138 (

von dm ersten Grundsätzen der Rinderzucht.

( Verfolg.)

Alle heftige Leidenschaften müssen schnell unterdrückt werden, ohne ihnen Zeit zu geben, in der Seele einzuwur- zeln; aber man muß selbst dabcy ohne .Leidenschaft seyn, und mit einem Kalt, sinne handeln , der da zeigt, daß man Nichts auö Zorn oder Schwachheit thue.

Gottesfurcht, Genügsamkeit, Men­schenliebe und Ehrbegierde sind vier Haupt­tugenden, die man vor allen ihnen ein- prägen muß. Wenn sie gelernt haben, Gott als die erste Ursache alles Guten, Und als den höchsten Gesetzgeber und Vater des menschlichen Geschlechts zu betrachten ; so muß man durch kurze ein­fältige Gebete und vornemlich durch das Beispiel seiner eignen Andacht, sie die­ses Wesen kennen und lieben lehren. Genügsamkeit ist ihnen deswegen wichtig, weil Verzärtelung und Ueber- siuß ihre Gesundheit und Leibesstärke schwächet, und ihre Seele mit einer Menge von Begierden erfüllet, welche sie nachmals in ihren Pflichten hindern und ihre Glückseligkeit verringern. Kein Glück ist so groß, und kein Stand so groß auf Erden , daß man nicht in Umstände kom- Znen könnte, wo man der Bcguemlichkei- len des Lebens entbehren muß. Es ist zar nicht schwer, in einem Alter Mru­sch e n l i e b e zu erregen , wo man so ge­zeigt ist zu lieben, und geliebt zu seyn. Man verstärke diesen Trieb durch die Vor­stellung der natürl chen Gleichheit, des Gefühls das alle Menschen mit einander gemein haben, des Nutzens den wir von andrer Arbeiten haben, und des Vor- tbeil» und der Ehre die uns aus der Liebe, welche andre gegen uns haben, zuflieset. Wenn Kinder'elwgs Gutes, so sie ha­

ben , mit andern tüeilen , oder etwas !hs neu zu Gefallen thun, so muß mau sie dafür loben und belohnen, und sich aller Gelegenheit bedienen, um ihnen zu zei-- gen, wie sehr Gram, Mißgunst, Grob­heit und Härte auch nur äusserlich den Menschen verstellen. Die Ehr liebe, dies stärkste und allgemeinste Band der Menschen, kann ihnen nicht genug an­gepriesen , nicht genug bei der Kinder- zücht gebraucht werden. Sie ist der sanfteste von allen Bewegungögründen, und wenn Kinder sie fühlen, so ist es höchst »öthig, sie durch Strafen , welche das Gemürh Niederdrücken und erbittern, adzuschr ecken, oder durch Vergnügungen, die schädliche Begierden reizen, anzulos den. Aber sie müssen zugleich die wahre Ehre kennen lernen; bee> geriiißltcn eeri nüuftigen Meuichen Beifall muß ihnen mehr, als alle äusserliche Ehrenbezeigun­gen, werth seyn, und das widrige Urs theil derer, die keine guten Sitten haben, müssen sie keiner Achtung würdigen. Vor allen Dingen aber, muß man den Stolz, der sich auf oas Aeusserliche, der sich auf eine schöne Bildung, schöne Kleidung und andere Verzüge und Geschicklichkei­ten des Leibes allem gründet, zu unter­drücken suchen. Man muß diese Dinge lieber etwas versäumen, und bei jeder Gelegenheit zeigen, daß man den Fleiß, der darauf verwandt wird, gegen dir ge­ringste Vollkommenheit des Verstandes und Herzens für unendlich geringe achte.

(Der Verfolg künftig.)

Bekanntmachungen.

i) Montags den 5 ten Sept. Nach­mittags um 2 Uhr sollen auf dahiesigem Rathhaus nachfolgende des Fuhrmann Jeremis Christoph Herings Wittwe zu­gehörige Felvgüter, als