Ausgabe 
23.7.1808
 
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Die Geneigtbeit, das Böse von an­dern eher zu glauben als das Gute, ist «m so viel verabscheuungswürdiger, je mehr der Hochmuth und ein neidisches Herz an dieser Leichtgläubigkeit Antheil haben. Man findet es in der Erfahrung gegründet, daß ein Mensch desto reicher an bö,en Neigungen des Willens sey, je armer er an den Gaben des Verstandes ist. Ein stolzes Herz ist daher fast alle­zeit ein Merkmal der Unverständigen. Ze leerer sie an richtigen Begriffen sind,

Gedanken

von der Geneigtheit, das Böse eher als das Gute von andern zu glauben.

. (Beschluß)

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desto leichter können allerhand unrichtige Vorstellungen in ihrem leeren Kopfe Platz finden, die alsdenn die Triebfeder ihrer Handlungen werden. Kommt es nun, daß gleichwohl der HochmÜthiqe an an­dern mehr Gutes, als an sich Kbst sieht, so beneidet er solches und desto mehr sucht er es,zu unterdrücken, und denen seinen Beifall zu geben, welche die Tugend et. ues ander» zu einem Laster zu machen wißen. Je geringer der Stolze nur an­dere machen kann, desto erhabner kommt er sich selbst vor; da er nun chas leztere sucht, so enlsteht daher die Geneigtheit eher das Böse, als das Gute von ander» zu glauben. Ich will es andern über­lassen, ob unser Urtheil gegründet sey, wenn wir solche Menschen, welche ihre Herrlichkeit auf den Untergang anderer bauen, für die verabscheuungswürdigsten

. Wenn der Verstand sich mit den Giunden einer Sache beschäftigt, so ist es demselben gar sehr gemäs, daß er kein Urtheil fälle, bis er die Gründeein- geieben, und so lange mit dem Urtheile zni nck Haire, bis dieses geschehn. Timt aber dieses derjenige, der nur dem Hör­sagen tränet, das zehnmal falsch, ehe es einmal wahr ist? So wenig niir die- leingen reich an nützlicher Erkenntnis tivthiger Wahrheiten vorkommen, welche in den Gesellschaften einschkafen müssen, wenn nicht gewisse kleine Beschäftigun- ge» der Hand, die bald dieses, bald je- ticS Blatt umwendet, sie wachend er­hielte, oder wenn ihnen nicht die Verän­derung des Wetters und der Moden zu reden Gelegenheit gäbe; so wenig kann ich mich überreden, daß diejenigen einen gegründeten Anspruch auf den Name» grvfer Geister haben, welche einem jeg­lichen Anbringer des Bösen, alsbald auf sein Wort glauben, ohne daß sie weder von der Aufrichtigkeit des Anbringers tiberzeugt, noch andre gewisse Gründe haben, dergleichen BöseS von ihrem Näch­sten zu glauben, als ihnen von demsel­ben hinterbracht worden.

Ich merke dieses noch an, daß eine übel angebrachte Gefälligkeit oftmals dasjenige sey, wodurch ein Mensch z» emem leichtgläubigen Verhalten nach und nach kann verleitet werden. Sßiek ^cht sieht man dieses für einen Wider- spnich an; sich andern gefällig machen, und doch auch das Böse von andern leicht glauben; man betrachte aber nur die Sache unter verschiednen Umständen, so I'!? '-ch dieser Widerspruch leicht heben lasten. Mit der vernünftigen Gefällia- keit läßt sich dieses freylich nicht zusam­men reimen, da aber der Mensch, aus Begierde zu gefallen, oftmals nicht nur die Sitten, sondern auch die Urtheile an­derer annimmt, so kann er leicht zu ei­nem leichtgläubigen Wesen verleitet wer- °e», wenn er sich beständig in Gesell- schäft so eher befindet, welche diesem Feh­ler ergeben sind. Wenn er auch anfänq- l ch nur äusserlich, den leichtgläubige,, Urtheile» anderer beipflichtet, so gewöhnt tr sich doch nach und nach so, daß er eben so wenig Gründlichkeit in seiuen Ur-