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Von den ersten Grundsätzen der Rinderzucht« ( Verfolg.)
Das Wort Erziehung wird sehr ost gemisbraucht. Bald bedeutetes den äusserlichen Anstand und Bildung des Körpers , bald auch den Unterricht in Sprachen und Wissenschaften; allein die eigentliche Erziehung ist ganz was anders. Es ist weder das Werk des Tanzmeisters, noch der Französinnen. Die französische Sprache trägt so wenig dazu bei als die lateinische, auch die grofen Gesellschaften so wenig, als die hohen Schulen. Man kann artig, gefällig, wvhlredend, witzig und gelehrt, aber dennoch immer schlecht erzogen seyn. Wie das? weil inan alles das, und doch -ein unnützes schädliches Mitglied der menschlichen Gesell,chaft, ein schlechter Freund, Hausvater, Patriot, und ein schlechter Mann im Amte seyn kann. Die wahre Erziehung muß uns zu Menschen und Bürgern machen. Wenigstens soll dies die Hauptsache seyn. Der Wohlstand ver- rient nicht weiter in Betrachtung zu kommen, als in so fern die Lugend seiner bedarf, um nicht zu misfallcn. Denn, wenn das wahre Verdienst auch zuweilen aus Mange! eines gefälligen Aeusserlichen minder'gefällt, so verliert es doch öfter dadurch, daß man auf das Aeusscrliche einen größer» Werth setzt, als man sollte. Es ist sehr leicht, einem jungen Menschen das schöne Anschn zu geben, das unserm eignen Stolze selbst dadurch schmeichelt, weil wir andre dadurch hintergehen; und wenn er davon schon genug besitzt, um selbst sein Glück in der Welt zu machen, was sollte ihn da wohl bewegen, sich die Mühe zu geben, dies Glück durch mühselige Verdienste zu suchen? Wenn man das schöne äusserliche Ansehn zur Hauptsache macht, M heißt von hinten anfangen, das heiße
einer gar noch nicht gebildeten Sache Schönheit und Schmuck geben wollen, Menschen zu Puppen und Bildsäulen wachen, und die ganze Denkungsart lunger Leute verderben, indem man sie gewohnt , Kleinigkeiten für wichtige Sachen, und wichtige Sachen für Klein,q- keitcn zu halten. Auf diese Weise versäumt man nicht nur den wichtigsten Theil der Erziehung, sondern man legt ihr auch unüberwindliche Hindernisse i» den Weg. Eine Kunst welche nur dahin ab- zielt, Zunge Leute reden zu lehren, ehe ste denken; anders zu reden, als sie mey- neu; zu gefallen, ohne Tugenden; sich geehrt zu machen, ohne Verdienste: das ist eine von den unglücklichsten Künsten, die die menjchliche Eitelkeit erfunden hat» und keine Erziehung ist besser, alssveine.
Die Erziehung besteht nicht in dem Aeusserlichen, und eben so wenig in blo- sen Kenntnissen. Zwar giebt es einige wichtige Grundwahrheiten, die zugleich mit eingepragl weiden müssen. Das Ge- dachtniS hat in dem frühen Alter eine gewisse Stärke,* welche gebraucht werden muß; em Kind kann viel lernen, es kann mehr begreifen als man glaubt, wenn es nur auf die rechte Weise vvrqetraqen wird ; aber es wäre besser, daß es nicht viel lernte, als daß es dies so lernte, daß sowohl Vernunft und Lehrbeqierde abnehmen müssen, so wie das Gedächtnis gewinnet. Die größten und wichtig» sieu Kenntnisse können doch nicht eher erworben werden, als bis die Zeit der Erziehung vorüber ist; denn diese werden mchr blos ans Büchern gelernt, sondern sind eine Frucht der Erfahrung, des Nach- denkenS und des Umgangs mit Einsichrs» vollen Leuten. Dazu soll ein junger Mensch zug.eich angeführt werden, und lieber weniger lesen, tun desto mehr zn denken. 0
(Der Verfolg künftig.)
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