) 134 ( '***
Von dm ersten Grundsätzen der Rinderzucht. (Verfolg.)
Was Kinder am meisten von Wissenschaften abschrecket, ist dieses, daß man ihr .Gedächtnis mit Dingen beschweret, die sie nicht, begreifen können. Ich weiß wohl, daß es Dinge gicbt, die man nicht aus Grü nden beweisen kann, und die doch nichts desto weniger die Seele vergnügen können, und doch in der Jugend gelernt werben müssen, zum Ereinpel Wörter, Namen und Zahlen. Aber wie lernen wir unsre Muttersprache? Wenn man doch einmal auf die klare Erfahrung Acht geben, und nicht sich einbilden wollte, daß ein lateinisches Wort, Name, oder eine Jahrözahl in der Geschichte an sich selbst schwerer zu lernen sey, als der Laut, womit wir die Dinge in der Sprache bezeichnen , die wir unsre Muttersprache nennen. Diese Dinge sind nicht so schwer, als sie scheinen, wenn man nur nicht das Gedächtnis mit allzuvielen Dingen auf einmal belästiget, sondern sie nach einander vermittelst kurzer Gespräche und in Verbindung mit andern leichten und bekannten Dingen lernen laßt. Das Gedächtnis ist auch gemeiniglich in dem Alter so stark, daß es, wenn es nicht betäubt wirs , viele Dinge sehr leicht lernt, die erwächsnen Personen schwer zu behalten sind. Diesen Vorzug der Jugend muß man', nachdem die Sachen wichtig und nützlich sind, gebrauchen, und sie niemals zwingen, es sey denn, daß ein Fehler des Willens den Gebrauch des Verstandes hindre. Faulheit, Eigensinn und Wildheit sind allemal strafwürdige- Fehler. Aber Mangel der Achtsamkeit, eine Ermüdung , die uns zuweilen gewisse Dinge unangenehm machen kann, und Vergessenheit sind so natürliche Fehler, daß v'.e vollkommensten Menschen sie oft degeyen, und baß bl« Kruder uns heim
liche Vorwürfe machen sollten, wenn wir sie dafür straften.
Eine von den wichtigsten Grundregeln, die man Kindern ciuzuprägen suchen muß, «st diese, daß sie eine bestän, dige Ehrerbietung gegen alle diejenigen tragen, die mehr Einsicht uuO Erfahrung «IS sie haben. Dies ist richtig, sowohl für die Zeit ihrer Erziehung, als für ihr ganzes Leben. Sie können nicht immer unter der Aufsicht ihrer Eltern und Lehrer bleiben, und wenn sie nachmals in die Welt kommen, |u dient es nicht nur dazu, sie zu beliebten und vernünftigen Leuten zu machen, sondern es wird sie auch vor manchen Jrrtyümern und Lastern bewahren, worin die Jugend leicht verfallt, weil sie andrer Eifayrenhetk nicht traue» will.
Vor allen müssen Eltern und Lehrer suchen, ihr Zutrauen zu erhalten 5 sie mnfffn sie mit Worten und in der That in dein Gedanken befestigen, daß sie sie weder durch Worte noch durch o?an0lutt» gen betriebe» , sie müssen sich nicht verstellen , müssen nicht mehr versprechen oder drohen, als sie zu halten gedenken, nichts für gewiß ausgeben, als wovon sie selbst überzeugt sind, und nicht suchen ihre Kinder zu überreden , daß etwas gut oder böse sey, ohne zugleich durch ihre Aufführung zu zeigen, daß sie es selbst dafür halten. Verstellung und Betrug können nur eine kurze Zeit nützen,, und man verlieret nachher alle Glaubwürdigkeit, worauf sich die beste Macht gründet, nemlich diejenige, welche fortdau» ren muß, selbst dann, wenn kein Zwan.g mehr Statt findet. Die härteste Zücht ist daher ein geringeres liebel, als wenn man Kinder mit falschen Vorstellungen locken will.
(Der Verfolg künftig.)
Be/


