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Votr t>cn trften Grundsäyett der Rinderzucht. (Verfolg.)
Ein junger Mensch, dessen Blödsinn in der Jugend entweder durch schmeichelnde Lockungen,oder durch schreckhafte Drohungen noch blöder gemacht worden , ist, wenn er nachmals in die Welt tritt, einem Schiffe mit aus- gespannten Segeln gleich, das Anker und Ruder verlohren hat. Es wird von jedem Wmde umher getrieben, und die Segel drenen blos dazu, seinen Untergang zu befördern. So geht es auch mit einer Seele, die gewohnt ist, jedem Äusserlichen Eindrücke nachzugeben. Von der geringsten Reizung wird sie fortgerissen, und von der kleinsten Furcht'abgeschreckt. Alle Einsichten helfen hier wenig, denn man wird bei der Erziehung nicht gewöhnt, ihnen zu folgen. Man handelte stets so , wie andre wollten, und nie so, wie man selbst dachte.
Die Seele muß fernen sich nach ihren eigenen Begriffen zu bestimmen. Der Wille muß gewöhnt werden, sich vermittelst eines innerlichen frey- willigen Triebes unter das Joch der Vernunft zu biegen, ohne daß er immer durch geborgte fremde Bewegungo'gründe brauchte regiert zu werden. Aber, wird man sagen, wie ist es möglich, einem Kiude diese Fertigkeit zu verschaffen 3 Die Vernunft kann ja in dem Alter nicht genug crluchtet werden, um allein ?n wandeln3 Jsts wohl möckstl), Kindern blos durch Vernunftgründe eine vvllkommne Herrschaft über sich selbst zu «eben, und zwar die sie zu allen Zeiten ausüben? Welcher Mensch Kar jemals so eine Herrschaft über sich selbst gehabt 3 Alle menschliche Vollkommenheiten sind eingeichrankt; aber wenn wir gleich nicht den höchsten Grad erreichx.i können, fol len wir darum niemals anfangen 3 ES
ist wahr, ein Kind kann manches nicht begreifen ; aber hier ist auch die Rede nicht von dem Hökern und Tiefsinnigen in den Wissenschaften; wir handeln bloS von allgemeinen Pflichten. Von Pflichten , welche die gesnude Vernunft leicht übersieht , wenn sie nur auf eine bequeme Art aus einander geletzt werden: wenn nur der Verstand noch nicht von Vor- urtheilen eingenommen und nicht vv» herrschenden Neigungen verblendet wvr» den. Diese Vornrtkeile und Neigungen müssen über Kinder weniger Gewalt haben , als über andre Leute, oder auch die Alten müssen selbst Schuld daran seyn. Ein Kind bat wenig Einsicht, aber es bat dafür auch wenig Pflichten. Dies sollte tu du vor allem bedenken , und Lieber mit einem mindern Grad von Tugend zufrieden seyn, die aber ans Ueber- zeugung und aus einem fteywilligen Gehorsame entspringt. Laßt uns doch bedenken, was wir benn lhun, wenn wir mit Zwanq-und Lockungen, mit R»tben und Puppenwerk Kinder dahin bringen wollen , daß sie einen gewissen Ernst- eine Stetiakeit und einen großen Grad von Achtsamkeit annehmen, der über ihr Alter geht; laßt uns doch bedenken, sage ich, was wir uns da vornehmen's Wik wollen sie durch kindische Gründe vor der Zeit zn Mannern machen. Wir sehen blos anf die äusserliche Handlung, die doch das geringste ist, und um fte so weil zu bringen, diese zu thun, vermehren w.r die kindische Fgrcht und Verlan» gen, bas heißt: um sie auffe-.lich Mannern gleich zu machen, machen wir sie noch mehr zu Kindern, als sie schon sind, und das Ende von allem dem ist, wie ich vorher gezeigt habe, daß sie denn, wenn sie Manner sevn sollen » noch immer von kindischen Bewegungsgrnnden, von Vergnügen oder Furcht, regiert werden. , .. rx
(DerVerfolg künftig.)


