Ausgabe 
24.10.1807
 
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Von de r Große.

(Verfolg.)

Die Anzahl der Sterne, die das bloss Auge entdeckt, ist über 2000. Wie geringe aber ist diese Anzahl in Verglei­chung gegen die Menge, weiche das Fernglas in noch gröseren Entfernungen sichtbar macht! Das Sehrohr, welches entfernte Gegenstände nahe bringt, öff­net auch in den dunkeln Gegenden des Himmels, wo das unbewaffnete Auge keinen Stern zu entdecken vermag, einen reichen Schauplatz der Werke Gottes. In dem kleinen Raume des Siebenge» siirns werden 40, in dem einzigen Orion 2020 Sterne sichtbar, und die unzählige Menge die sich dem bewaffneten Auge des Beobachters in der Milchstrase, und in den Nebelgestirnen zeigen, setzen ihn in Erstaunen. Je vollkommener das Sehrohr ist, und je scharfer das Auge forscht, desto mehr entdeckt es.

Wenn der Mensch einmal die Erde verlassen, und sich milder Geschwindig­keit des Lichts zur glänzenden Kapelle hinauf schwingen könnte, so würde er wahrscheinlich auch .da, alle Sterne in der Entfernung von sicherblicken, in der er sie von der Erde sieht. Die ganze Folge der Reife von vielen Millionen Mei­len würde nur seyn, daß die kleinen Hoedi feinem Ange sich zu Sternen der ersten Ordnung vergrösern, und die Sonne sich zu einem Stern verkleinern würde. In einen solchen Abgrund der ßrofen Werke Gortes , schauet der Mensch rings um sich herum.

Alle Sterne, die das bloss Auge bis zur sechsten Grose zu entdecken ver­mag , und die das Fernglas entweder zerstreut, oder in den Nebelgestirnen und der Milchstrase findet, sind Sonnen? Ja

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sie müssen es seyn, und müssen die Größe unserer Sonne haben, weil sie von einer solchen Ferne her, noch sichtbar sind. Sind sie avcr Sonnen, so müssen um jeglichen Srern Weltkugeln wie unsere Erde, ihre bestimmte Laufbahn haben, und diese müssen, wie die Erde, bevöl­kert seyn. Denn Millionen Sonnen schaffen und enter jeden das Vermögen ertheilen, Weltkugeln erleuchten und er­wärmen zu können; bewohnbare Welt­kugeln ins Daseyn rufen, und sie als- denn völkerlos und wüste lassen; das kann man von dem nicht denken, dessen Weisheit und Macht unendlich ist.

Wer die unzähligen Millionen Son­nen überdenkt, die sich schon dem Men­schen in der Milchstrase, i« den Nebel­gestirnen, und den Sternen bis zur sechs­ten Große zeigen, und über die Größe des Raums, der sviche Werke in sich faßt, nicht in ein tiefes Erstaunen ge- .rath, der beweißr eben dadurch, daß er entweder zu klein fey, sich zu einem so würdigen Gegenstände recht erheben zu können, oder zu achtlos sich zu ihm er­heben zu wollen. >

Wo hörte Gort, als sein Wille Wel­ten ihr Daseyn befahl, zu schaffen auf? Gewis nicht da, wo das menschliche Auge mit seinem hundertfüsigen Seh­rohr bewaffnet, durch entsetzliche Jwi- schenräume von Stern zu Stern eilt,- nnd endlich mühsam denjenigen erreicht, der seinem Sehrohre der entfernste. ist.

Diejenigen Philosopheu welche be­hauptet haben, die Schöpfung fey un­endlich, finden die Entschuldigung ihrer Meinung in den engen Schranken der Fähigkeiten des Menschen, der in feinen Beobachtungen und Schlüffen, ohne das Ende erreichen zu können, stille stehen muß;