Ausgabe 
24.1.1807
 
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* Gedanken

von der Geneigtheit, das Böse eher als das Gute von andern zu glauben.

( Verfolg.)

Sehe ich das gesellschaftliche Leben Mr, so finde ich immer mehr, daß die herrschende Gewohnheit,. das Böse eher, als das Gute von andern zu glauben, eine- Quelle mancherlei Unordnung sey. Es kommt vieles in dem gemeinen Leben darauf an, daß andre Achtung für uns hegen, und uns als Menschen ansehn, die etwas gutes an sich haben. Ein Tu­gendhafter handelt daher nicht unrecht, wenn er sich so verhalt, daß das Gute, fo an ihnrist, auch andern bekannt werde. Diese Liebe ifr unschuldig , und der würde eine Quelle der Tugend verstopfen, der dieses bestreiten wollte. Ist es nun bil­lig , daß die Tugend belohnt werde, so ist nichts was dieses mehr verhindert, als die Leichtgläubigkeit in Ansehung des Bösen. Wer dazu geneigt ist, der sieht nicht auf unser Gutes, und wenn er es auch erkennet, so ist er recht geschäftig, solches zu verringern und zu unterdrü­cken , weil ihm dasselbe an andern un­leidlich ist. Redet man daher von den Tugendhaften, so macht er nicht die Tu­genden , sondern dis Fehler und Schwach­heiten der Tugendhaften zum Inhalte seiner Gespräche, und diese weiß er auf eine solche Art vvrzutragen, daß bei an­dern die Achtung gegen die Tugendhaf­ten verringert, und also auch oftmals die Belohnung derselben gehindert wird.

Ich will dieses nicht weiter anfüh- ren, indem es leicht ist, aus dem, was die Erfahrung lehrt, sich solcher Umr stände zu erinnern, die beweisen,, daß die Fertigkeit das schlimmste von ander» zu glauben und zu sprechen eine reiche

Quelle von widrigem Begebenheiten ae- we,en sey, die manchen Menschen wider sein Verschulden betroffen haben.

So viel Schaden die Leichtgläubig­keit verursachen kann, so wenig Ehre bringt sie denjenigen, welche derselben ergeben sind. \ Ich wundre mich nicht, wenn keiner von unfern Lesern für leicht­gläubig will gehalten seyn, denn dieses gereicht zuweilen der menschlichen Ver­nunft zur Schande. Ein jeglicher rühmt sich der Vernunft, die ihm der Schöpfer in der Absicht gegeben, daß er das wahre und falsche von einander unterscheiden, und seine Urtheile nicht auf die blosen Gerüchte, oder einen blosen äusserlichen Schein, sondern auf Gründe bauen soll; da aber der Leichrg aubige, wider diese Absicht, weswegen er die Vernunft be­kommen, handelt, so handelt er wider sich selbst, und gereicht ein leichtgläubi­ges Verhalten der menschlichen Natur zur Schande. , Finden wir aber dennoch solche leichtgläubige Menschen, so be­merken wir: daß die Armuth ihres Ver­standes eine Ursache dieser Leichtgläubig­

st Der Verfolg künftig.)

Bekanntmachungen.

i) Da in Gemäsheir der von Herr zoglicher Hofkammer zu Wiesbaden er­gangenen hohen Verfügung das herr­schaftliche Meyern - mit) Heistcrmannische Guth dahier, bestehend in einer Woh­nung, zwei Scheuern, hinlänglichen Oeco- nvmie-Gebäuden , sodann 200 Morgen Ackerland und iOO Morgen Wiesen nebst den^ halben Nutzen einer ansehnlichen Schäferei von 400 und mehreren Stü­cken , auch hinlänglicher Weide für Schaaf' Rind- und Schweinen - Vieh, auf iZÄahre von Petrirag 1507. anfan- Lend (tu den Meistbietenden, der sich'

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