Ausgabe 
21.2.1807
 
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) 3» (

Erklärung des Unterschieds der weis< Herr und Gelehrsamkeit'»

( Verfolg.)

Im entgegengesetztem Falle verlangt mancher nicht eben den Namen eines Gelehrten in dem ganzen Umfange, oder er steht doch seinen Umständen nach nicht in der Zahl derer, die Gelehrte von Me­tier seyn sollen. Ist nun gleich sein Ver­stand" nicht mit vielen Schulwörtern an- gefüllt; so hat er doch eine natürliche Lebhaftigkeit und Geschäftigkeit der Seele^ Lie vielem von jenen fehlt. Hat er zwar vielleicht wenig von den eigentlichen Wisi fenschaften kunftmäsig erlernt, so Haler Koch wohl auch bloß das Nützliche und Brauchbare zur Absicht gehabt, und fern geschäftiger Verstand giebt ihm da- Lei unzählige Begriffe und Entwürfe'an die Hand, die auf fein eignes wahres Wohl nud auf die Glückseligkeit der Ge­sellschaft und der Mitmenschen gehen. Bestrebt er sich, sie mit einem gesetzten Muth auszuführen, und sucht er mit er- em erhabnen Geiste die ihm aufsteigen- Len Schwierigkeiten zu überwinden, un­bekümmert um die Urrheile oder den Spott, oder um den Neid anderer; so ist wohl völlig ausgemacht, daff er bei weniger G- lebrfamkeit weit mehr W'tz und einige gesetztere Klugheit an den Tag lege, als ein Gelehrter, der zwar unendlich mehr weiß, unter dessen Wissen aber auch viel Leeres und Speculativisches ist, oder Ker bei aller seiner Kenntnis nicht an ihren wahren und ihm und andern vor- tbeilbaften Gebrauch und Anwendung Lenkt.

D^se erfordert Kenntnis der Welt, eine- geübte und reife Veurtheilung der Dmqe der Welt, und, daß ich so reden mng, mehr practische Geschäftigkeit als einen theoretischen Verstand. Und. dieses sind gerade LigxnMften,, um welche

man sich in Schulen zu wenig oder wohl gar nicht bewirbt So vortreflich also ein Gelehrter auf seiner Studierstube seyn kann, und so richtig er vor seinem Pulte von den Meinungen anderer zu unheilen vermag ; so seltsam ist er doch rool)L wenn es nun auf die Application seiner Theorie in der Welt ankommt. Kennt er diese n'cht und ist er mit den Menschen zu wenig bekannt; so wird er vielleicht 'ein verständiger Rathgeber für diejenigen seyn, die bei ihrer wenigern Erkenntnis in zweifelt) ast en Und verwi­ckelten Fallen , wo »ach vieler und gnwb- licher Erudition entschieden werden muß, ihn zu Rathe ziehe», aber in oroinairen Geschäften der Welt wird er unendlich weit von denen übertroffen,, die er doch gar sehr an Theorie, Lectüre und Spe- culation übertrifft. Hieraus, dünkt mich, ergiebt sich der Verstand und die Rich­tigkeit des so bekannten Sprüchworts: inundus regitur parva fapientki. Die­ses lezte soll hier Gelehrsamkeit anzeiaen, und^ nicht sowohl diese, alo vielmehr ein natürlich feiner Verstand und Wulmm- feit desselben wird Ku jenem grosen Zwecke erfordert. Es ist nicht ndthig zu erin­nern daß auch das beste Genie ohne Be­arbeitung nichts sey, es muß gebauet, es muß verfeinert werden, wenn es Weis­heit werden soll. Liegt es brach, so wird es gleich einem ungebaueten Acker blos unedle Krauter und giftige Pflanzen yer- vvrbringen.

Zwei Stücke gehören dazu, werm die Wissenschaft des Gelehrten nicht b-os Gelehrsamkeit, sondern auch Weisheit seyn soll, theils muß er nützliche und practische Sätze zu saflcn su­chen , theils aber auch sie zu feiner eige- neu und zur Glückseligkeit anderer an» wenden.

(Der Verfolg künftig.)

Be-