Ausgabe 
7.2.1807
 
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Erklärung des Unterschieds der Weis­heit und Gelehrsamkeit-

Gelehrsamkeit, eine grose Vollkom- rnenheit, und Weisheit eine noch grösere, könnten und sollten genau unter einan­der verbunden seyn; nur Schade für die Welt, und Schande für die Gelehrten, daß ihr Wissen fo oft ohne die schöne Be­gleitung der Weisheit iss. . Es ist nicht genug, ein weiser Mann zu feyn, daß mau es zu seyn scheine, und am wenig­sten , daß man, es zu seyn, sich einbilde. Mag also mancher Gelehrte diesen Schein Lei andern haben , und mag ihn der Schimmer seines Wissens selbst so blen­den, daß er Verstand , Klugheit und Be- vrtheilung als nothwend-ge Gefährten seiner noch so ausgebreiteten Wissenschaft «nsieht; die Erfahrung, die Vernunft, 11 nb die wahre Philosophie wird diesem rhörichten Wahn am nachdrücklichsten widersprechen

Die Gelehrsamkeit ist keineswegs ein Gut um ihrer selbst willen; sie muß ein Mitte! zum Wohlseyn des Gelehrten und zum Glücke und Vortheile anderer feyn« Stimmt nun aber das Wissen ei­nes Mannes, so groß und so ausgebrei- tet es auch immer seyn mag, nicht aus fein eignes Glück, und bezieht es sich wenig oder gar nicht auf den Nutzen der Nebenmenschen; so ist es in der ersten Absicht höchstens ein mit Mühe erlang­ter Schatz, der nicht gebraucht wird, und in der zweiten ein Schatz von Klei­nigkeiten , der nicht gebraucht werben kann. Will mau es ja Gelehrsamkeit nennen, so verdient es doch nichts we­niger , als den erhabenen Namen der Weisheit.

Ein Weiser macht sich einen bestimm­ten Plan,, er setzt sich einen gewissen End-

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zweck zu erreichen vor, und dieser ist nichts geringers, als was wir alle wün­schen und wohin wir beständig arbeiten, viele aber ihn gar nicht erlangen und niemand völlig erreichen kann, nemlich die Glückseligkeit Wenn dieser Ausdruck nicht gar leer, und wenn man ihn nicht durch hundert Begriffe dunkler machen will, als er an sich ist; so dünkt mich, ist die ganze Glückseligkeit eines Men­schen in dem Inbegriffe und in der Summe seiner angenehmen Empfindungen zu se­tzen. Da diese nun bei verschiednen ver­schoben sind; so ist dieselbe sehr man- n-gfaliig, und so ist der eine bei weit schlecht ern äußern Situationen, als ft» bet einem andern sind, oft unendlich glückseliger als dieser, der nach dem Scheine und noch dem Urtheile derer die das Herz des Menschen nicht kennens einen hohen Grab von Glückseligkeit er­langt haben müßte.

Will man mir einwenden r ,, Em- pfindurigeu, angenehme Empfintungeu sollen Glückseligkeit seyn, o so muß der lasterhafte, der Wollüstling ganz ohn- ßreifig^er glückseligste seyn';" allein ein Vergnügen, welches ganz gewiß von ei­nem eben so grosen Mievergnügen be­gleitet, oder doch bald, sehr bald von diesem lezten verdrängt wird, ist doch wahrhaftig kein wahres und fern reelles 'Vergnügen. Die eigentliche Glückselig, keit kann darum unmöglich eine Grund­lage zu einem künftigen folternden Elende und Kummer seyn, und eben die­ses ist nun die ganze Glückseligkeit jenes sinnlichen Lasterhaften.

(Der Verfolg künftig.}

Bekanntmachungen.

r., r) Demnach die hiesige Herrschaft­liche Erbie.hmuhle, die.Stadtmühle ge- timr# bestehend m zwey Mahlgängen,

ei»