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Erklärung des Unterschieds der Weisheit und Gelehrsamkeit.
( Verfolg.)
Es gilt beinahe allgemein, daß ein Mensch, wenn er blos mit feiner Leben s- art, und mit dem, was dahin gehört, nothdürftig bekannt ist, unbekümmert um die Pflichten und um die Verdienste anderer in andern Umständen und Ver- lbindungen, in dem Grade von seinem Werthe tinb von seinen Geschicklichkeiten eingenommen wird, daß er andere neben sich verachtet ^und sich und ferne Kunst stolz über andere erhebt. Dies ist hie Pedanterey und ist nach dem, was Davon gesagt worden, und die Cr- Lahrung täglich bestätigt, sehr weit aus- aebreiret. Die Gesellschaft dieser Thoren steckt nicht blos in der Classe der Gelehrten; in allen Lebensarten und in Allen Ordnungen der Menschen giebt es dergleichen, und deshalb ist es Bosheit, «e blos unter den Gelehrten zu suchen. Was ist es anders als Pedanterey, wenn der Künstler, der Kaufmann, der Soldat u. f. w. ihre Lebensart für so wichtig ausgeben, daß alle andere ihnen nach- steben müsten ? Nothwendig, wichtig, rühmlich können sie alle seyn ; aber nicht weniger ndthwendig , nicht weniger rühmlich sind andere Metiers. Und jener Mann in öffentlichen Geschäften, der Viel pol tot , vie! schreibt und wenig denkt, sich' aber dennoch für so qros und wichtig ausgiebt, daß das Wohl einer »anzen Stadt und Bürgerschaft auf seinen Schultern ruhet, was ist er weniger Als der grose Mann, welcher er sich dünkt, und was mehr als der Pedant, welcher er sich nicht dünkt?
Zu grose Einschränkung und' Ein- -kbrmigkeit in seinen Geschäften verursacht^ wenn mau Lumal w andern kei
nen richtigen Begriff erlangt hat, daß man die feinigen zu hoch und andere zu niedrig schält. Wie leicht ist also dieses bei einem Gelehrten, besten Wissen zu armselig und dessen Kenntnis zu eingeschränkt ist, als daß er einsehen sollte, wie andere durch ihre von den eigentlichen gelehrten Lebensarten sehr ver- schiedne Geschäfte, oder wie andere Gelehrte bei ganz andern Kenntnissen und Wissenschaften, als die seinigen sind, einen weit grösern Einfluß auf. das besondere und allgemeine Wohljeyn haben, wogegen der Vortheil der Beschäftigungen jenes Gelehrten fast wie gar nichts zu rechnen ist. Es scheint, sagt der nef- sinnige He l v e t i u s , daß man in Rücksicht auf die Meynungen, Sillen und Begriffe, allemai an andern nur das hochhalt, was man au stich selbst sindet, und weil mancher Gelehrter gar nichts von dem, wodurch andere so brauchbar in der Welt sind, bei. sich findet, so achtet er ihre Verdienste wenig oder nicht, und ist nur für die seinigen-, so klein sie auch seyn mögen, eingenommen. Mich dünkt, es sey der Natur des Verstandes gerade entgegen, viel Kenntnis und Erudition, zugleich aber einen guten Theii von Pes danterey zu haben, daß also wenige Kenntnis als eine ergiebige Quelle dieser Thorheit, sie selbst aber als ein natürliches Zeichen von einer geringen und armseligen Wissenschaft gehalten werden müsse. Ein weiser Mann in unfern Tagen sagt an einem Orte der Wahrheit völlig gemas: „je mehr der Beruf und die Umstande eines Menschen die Wirksamkeit seines Geistes einschränken, desto geringer ist der Wertb seines Etandes; desto geringer ist der Grad vom Wohlstände, welchen sich derselbe davon versprechen kann." Eifert er nun dennoch nm seinen Werth und um seine Ebre, wir kg«» er Bnßktt-Mn anders erschei
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