Ausgabe 
28.6.1806
 
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) 102 (*

Vom Wohlthun. wozu der Stand verbindet.

( Verfolg.)

Hieraus folgt aber unwidersprech- lich, daß ein jedes Glied des menschli­chen Geschlechts in einer gewissen Thä- tigkeit seyn, ein jeder Mensch fein gewis­ses Geschäfte treiben, und dadurch zur gemeinschaftlichen Wohlfahrt aller übri­gen, die unter einander in Verbindung stehen, das Seinige beitragen muß. Die Vornehmen würden umkommen und der Mittelstand unvermögend seyn, wenn die Niedrigsten im Volke sich der Arbeit wei­gern wollten. Woher soll der Mittelstand an den Bedürfnissen des menschlichen Le­bens den nöthigen Vorrath erlangen, wenn ihm nicht der Niedrige zu Hülfe kömmt? und woher soll der Hohe sei­nen Ueberfluß nehmen, wenn der Mit­telstand, welcher ihm fein ganzes Anse­hen giebt, Noth leidet? Jezt ist zwar, durch eine besondere Fürsorge des Schö­pfers, ein solcher Reichthum an Gütern in der Natur, daß eine Menge Menschen, die sich zum Unterhalt ihres Geschlechts nicht mitwirksam beweisen, von dem mit saurer Mühe zusammengebrachten Vor­rath der fleisigen Bürger mitzehren kön­nen: aber die Ursache dieses Ueberflusses bleibt doch immer, weil noch viele andre sind, die Fleiß und Arbeit an wen den. Gesezt nun, daß ein jeder trage wäre, wie würden alsdenn gelber* und Garren aebauet, wie würden die nöthigen Klei­dungsstücke und andre unentbehrliche Be. dürfnisse des menschlichen Lebens herbet- aeschafft werden? würden nicht unsre Hauser verfallen? würden nicht Disteln und Unkraut unsre Aecker überziehen? würde nicht ein allgemeiner Mange! ein: schleichen? Je mehr fleisige Hande hin­gegen beschäftigt sind; desto grdser wird der Vorrath an Gütern, die wir entwe­

der zum nothwendigen Unterhalt des Le­bens, oder zu unsrer Bequemlichkeit, oder zu unfern: Vergnügen gebrauchen. * Der gesegnete Landmann führt den Städten seinen Ueberfluß zu , und die wohlhaben­den Bürger geben ihm seine Kleidung, die ihre Hände verarbeitet haben. Jeder erlangt, nach dem Maase, wie er dem Staate dient, einen geringen oder grö- sern Antheil an den Neichthümern des Landes.

Von Natur ist also ein jeder Mensch zur Arbeit bestimmt; und diejenigen, die nicht durch ihren Verstand oder Witz zu den Geschäften des Geistes aufgelegt, die nicht geschickt sind , durch neue Ersindun» gen Städte und Lander blühender zu ma­chen, ein Volk zu regieren oder sonst mit ihren Einsichten dem Staate zu die­nen, müssen die Kräfte und Glieder ih­res Leibes zu den Arbeiten, die sie ver-k richten können, anwenden. Beschwert euch hierbei nid^t über .Spurte , il)t Vlies Origen, daß euch der weise Beherrscher der Welt in einen Stand gesetzt hat, wo euch die Mühseligkeiten des menschlichen Lebens am meisten drücken. Wäre euch die Last der höhern Stande so bekannt, als eure eigne; ihr würdet gewiß beken­nen , daß die Beschwerden allgemein sind. Der Schweiß, den tieferes Nachdenken und weiter hinaussebende Sorgen den Vornehmem auspressen, ist weit em­pfindlicher, als der gesunde Schweiß, durch welchen sich eure Narur stärkt.

(Die Fortsetzung folgt.)

Bekanntmachungen.

i) Nachdem die Ehefrau des in den hiesigen Landgräfl. Schutz aufgenomme- nen Juden, Liebmann Abraham zu Lang­göns , Jüdin Sara Raphael von Nieder­weichsel gebürtig, auf geschehenen Vor­halt di< ausdrückliche Erklärung gethan.