Einige Gedanken über Landes sperren und Theurung der Lebensmittel.
(Verfolg. )
Man macht dem Landmann zwar Taren; allein diese sind es nur dem Scheine nach, dann sie werden nicht executirt. Worauf gründen sie sich dann aber auch? — Blos darauf, wie der Landmann selbst dieses oder jenes Lebensbedürfnis sezzen will: und diesen allgemeinen selbst gemachten Preis nehmen die Schäzzer zur Richtschnur, machen daraus ein Mittelding, und dünken sich dann viel auf ihre Weisheit.
Wie ist aber dieser übermüthigen Behandlung zu steuren, wenn man den Landmann weder zwingen will noch kann, die Lebensbedürfnisse zu Markt zu bringen , und in billigen Preisen zu verkau- |en , — wenn man solche Grundsazze hegen will, wie einsmalen einer von eiu-'r Polizeybehörde, daß man nemlich dem Landmann durchaus nichts schäzzen dürfe, weil er sonsten nichts zu Markt bringe?
Der Schulmeister Liborius Psalter las einmal der Dorfsonntagsschenkege- sellschaft aus irgend einem Buch folgendes vor:.
„Es war einmal ein Land, in welchem die Landleute, tbeils durch etliche schlechte Getraidejabre, rheils durch Krieg, auf ihre Producte so übermnthig wurden, daß sie von den Städtern, auch in der Folge, alles doppelt bezahlt haben wollten. Man wendete darauf alle Mittel an, dieser drükkenden Theurung zu steuren. Mau legte Landessperren an. Nun blieb zwar, auser dem, was durch
Bestechung der Aufseher auf den Gränzen, doch auswärts gieng, das Meiste im Lande; aber demungeachket blieb die Theurung, weil die Bauern nur in hohen Preisen verkaufen wollten Endlich und nach mehreren vergeblich angewendeten Mitteln, Wohlfeile zu erzwingen, beschloß eine weise Regierung, nachdem zuvor auch der Verkauf des GerraideS, in den billigsten Preisen, aus den Landesherrlichen Vorrälhen, als Beyspiel, verordnet worden war, das recipro- cmn -•) gegen den Landmann anzuweu- den. Sie legte, auser der Sperre der auszuführenden Producte , eine noch strengere in Betreff der Einführung der Bedürfnissen des Landmanns, in Ansehung deren einzelnen Einkaufs , an. Kein Bauer durfte in einem angranzen- den Lande nicht das mindeste, weder an Lebens - noch Kleidungsbedürfnissen noch Materialien, zu Schiff und Geschirr, kaufen , sondern mnste alles im Lande nehmen. Sie erböhete ferner , nicht die gewöhnlichen Abgaben des Landmanns., sondern nur , um der aus Uebermuth entstandenen Prozeßsuchr derselben in etwas zu steuren , die Gerichts - und Advvka- tengebübren beträchtlich Und endlich erlaubte dieselbe nicht nur , sondern gebot vielmehr allen Handel und Verkehr treibenden Einwohnern der Städte, je« der Art, alles den Landleuten um ein ansehnliches thenrer zu verkaufen, als den Bewohnern der Städte. Und dies wirkte bald zum Bewundern. Der Bauer gieng in sich, bauete in der Folge seinen Äcker besser und mit mehr Nachdenken und Sorgfalt, um mehr zum Verkauf zu erzeugen, und lernte den goldnen Ausspruch tief fühlen : W <x 0 Öu wirft, das dir die Leute t h u n
s) Herr Schulmeister! — Dies erkläre er seinen Zuhörern, daß es so viel heißt,
als: was du wirst, das die die Leute thun sollen, das thue ihnen auch.


