Ausgabe 
25.1.1806
 
Einzelbild herunterladen

Einige Gedanken über Landes sperren und Theurung der Lebensmittel.

(Verfolg. )

Man macht dem Landmann zwar Taren; allein diese sind es nur dem Scheine nach, dann sie werden nicht executirt. Worauf gründen sie sich dann aber auch? Blos darauf, wie der Landmann selbst dieses oder jenes Lebens­bedürfnis sezzen will: und diesen allge­meinen selbst gemachten Preis nehmen die Schäzzer zur Richtschnur, machen daraus ein Mittelding, und dünken sich dann viel auf ihre Weisheit.

Wie ist aber dieser übermüthigen Be­handlung zu steuren, wenn man den Landmann weder zwingen will noch kann, die Lebensbedürfnisse zu Markt zu brin­gen , und in billigen Preisen zu verkau- |en , wenn man solche Grundsazze he­gen will, wie einsmalen einer von eiu-'r Polizeybehörde, daß man nemlich dem Landmann durchaus nichts schäzzen dürfe, weil er sonsten nichts zu Markt bringe?

Der Schulmeister Liborius Psalter las einmal der Dorfsonntagsschenkege- sellschaft aus irgend einem Buch folgen­des vor:.

Es war einmal ein Land, in wel­chem die Landleute, tbeils durch etliche schlechte Getraidejabre, rheils durch Krieg, auf ihre Producte so übermnthig wur­den, daß sie von den Städtern, auch in der Folge, alles doppelt bezahlt haben wollten. Man wendete darauf alle Mit­tel an, dieser drükkenden Theurung zu steuren. Mau legte Landessperren an. Nun blieb zwar, auser dem, was durch

Bestechung der Aufseher auf den Grän­zen, doch auswärts gieng, das Meiste im Lande; aber demungeachket blieb die Theurung, weil die Bauern nur in ho­hen Preisen verkaufen wollten Endlich und nach mehreren vergeblich angewen­deten Mitteln, Wohlfeile zu erzwingen, beschloß eine weise Regierung, nachdem zuvor auch der Verkauf des GerraideS, in den billigsten Preisen, aus den Lan­desherrlichen Vorrälhen, als Beyspiel, verordnet worden war, das recipro- cmn -) gegen den Landmann anzuweu- den. Sie legte, auser der Sperre der auszuführenden Producte , eine noch strengere in Betreff der Einführung der Bedürfnissen des Landmanns, in Anse­hung deren einzelnen Einkaufs , an. Kein Bauer durfte in einem angranzen- den Lande nicht das mindeste, weder an Lebens - noch Kleidungsbedürfnissen noch Materialien, zu Schiff und Geschirr, kaufen , sondern mnste alles im Lande nehmen. Sie erböhete ferner , nicht die gewöhnlichen Abgaben des Landmanns., sondern nur , um der aus Uebermuth ent­standenen Prozeßsuchr derselben in etwas zu steuren , die Gerichts - und Advvka- tengebübren beträchtlich Und endlich erlaubte dieselbe nicht nur , sondern ge­bot vielmehr allen Handel und Verkehr treibenden Einwohnern der Städte, je« der Art, alles den Landleuten um ein ansehnliches thenrer zu verkaufen, als den Bewohnern der Städte. Und dies wirkte bald zum Bewundern. Der Bauer gieng in sich, bauete in der Folge seinen Äcker besser und mit mehr Nachdenken und Sorgfalt, um mehr zum Verkauf zu erzeugen, und lernte den goldnen Ausspruch tief fühlen : W <x 0 Öu wirft, das dir die Leute t h u n

s) Herr Schulmeister! Dies erkläre er seinen Zuhörern, daß es so viel heißt,

als: was du wirst, das die die Leute thun sollen, das thue ihnen auch.