Ausgabe 
11.10.1806
 
Einzelbild herunterladen

) I

Vom Wohtthun., wozu der Stand verbindet.

( Verfolg.)

Wenn es nun aus der größer« Meuge der Geringern wahrscheinlich wird, daß, da sich die Geschäftigkeit der Vornehmern mehr aufs Ganze erstreckt, im Kleinen die Summe der eigentlichen Liebeswerke, welche einen unmittelbaren Einfluß Ha­den die Herzen zu erfreuen; oder die Summe aller Wohlthaten, die unter den Niedrigen und im Mittelstände ausgeübt werden ,. überhaupt gröser sey : so ist die nächste Verbindlichkeit der Vornehmen, die aus ihrem Verhältnisse gegen den ganzen Staatskörper am natürlichsten fliest,, diese, da sie die Llufnahme der niedrigern Stande befördern: weil aber die untersten Glieder des Staats ihre meisten Nahrungssäfte durch den Mit­telstand bekommen; so scheint dies die allernächste Sorgfalt zu ftyn, zu web cher sie ihr Stand verbindet, daß sie aus allen Kräften bemüht sind, den Mittel­stand blühend zu machen, damit der­selbe vermögend sey, den müßigen Glie­dern des Staats Arbeit und Unterhalt zu verschaffen.

Dock) da ich zu den Vornehmen alle diejenigen gerechnet habe, welche sich durch Güter oder Ansehen nur einiger- masen über den Mittelstand erheben; so muß- ich noch, einiger Wohlthaten erwäh­nen, zu welchen diejenigen durch ihren Stand verbunden werden, die am näch­sten an den Mittelstand angrenzen. Viel­leicht ist es nicht allemal Ungerechtigkeit, sondern oft nur Mangel der Aufmerk­samkeit, wenn ein Reicher mit der Be­zahlung der Maaren die ihm der Mit­telstand überlaßt, zögert; aber die Fol­gen sind für den Handelsmann oder für die Handwerker, die gemeiniLlich fremde

6z (*

Gelder in Händen haben und solche schwer verzinsen müssen, zu traurig, als daß ich diese Unbilligkeit könnte unerwähnt lassen. Der ehrl.che Mann, welcher un­terdessen einen Theil seiner eignen Schul­den abtragen oder eine neue Anlage ma­chen könnre, tst gemeiniglich zu blöde sein Recht zu fodern; er seufzt insge­heim ; seine Familie seufzt; seine Lienst- leute, bis zum unterste» h-nab, so viele ihrer durch seinen Fleiß in Bewegung ge> setzt wurden , diese alle seufzen: und eme Menge von Gliedern des Staats erstar­ren gleichsam aus einmal. Wie manche gute Handlung, wie manche Fabriken und Manufakturen blos durch solche müsige Schulden tn Abnahme gekom­men , und wre viele tausend Menschen dadurch äusser Brod gesetzt stnd, das wäre eine Betrachtung, Die das ernst­hafteste Nachdenken verdiente.

( Die Fortsetzung folgt. )

Bcknnmtrnachungen.

i) Nachdeme des in den Grosher­zoglichen Schutz nach Mainzlar reclpir- ten Juden Samuel Heiums Ehefrau Jü­din Gürel sich erklärt har, daß sie mit ihrem Ehemann keinen gemeinschaftlichen Handel treiben, sondern sich in Rück­sicht der von demselben conrrahirt wer­denden Schulden ihre weibliche Rechts- wvhlthaten Vorbehalten wolle, so wird solches hiermit öffentlich bekannt gemacht, damit diejenige, welche mit gedachtem Juden Samuel Heium zu Mainzlar in Handels - und andres Verkehr zu tret- tea gesonnen sind, sich darnach beneh­men können. Giesen den 9. Oct. 1806.

Grosherzogl. Hessisches Landarm daselbst.

G r a v e l i u s,

2) In der sogenannten Schaferey dahier steht eine viersitzige sehr commode

Halb-