Ausgabe 
10.5.1806
 
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X)on

Der menschlichen Glückseligkeit, und den Mitteln sie zu befördern.

(Verfolg. )

Hier fürchte ich den Einwurf nicht, welcher gegen das erste Mittel gemacht wurde *) Unsere Neigungen und. Wün­sche stehen, sehr wenige ausgenommen, in unserer Macht und Gewalt. Sie be­ruhen auf unfern Vorstellungen und Be­griffen. Und über diese find wir Herren, sie durch Vernunft, Wahrheit und Gründe zu bilden und zu bestimmen. Ich nahm einige Neigungen von denen aus, die in unserer Gewalt stehen. Hierunter ver­siehe ich drescnigen, welche sich auf den Wau unsers Körpers, auf unsere Safte und deren Mischung, oder, wie man e- sonft nennet, auf unser Temperament gründen, und die man augeerbte, ange- Dorne nennen konnte. Doch auch diese, welche gewiß die kleinste Zahl in uns aus- rnachen, sind fähig, durch Erziehung, Gewohnheit, Lebensart, Vernunft, Tu­gend und Religion eine große Verände­rung und verschiedene Richtung anzn- rrehmen.

Man kann gegen dies Mitte! zur Glückseligkeit einwenden, daß cs unan­genehm sey , und wahrend des Gebrauchs den Genuß der Glückseligkeit von uns entferne, als welche mir dem Zwange der Neigungen nicht bestehen könne Ich gebe zu, daß es angenehmer se»n würde, wenn sich alles nach unfern Neigungen fügen wollte, als wenn wir unsere Nei­gungen nach den Umstanden, darin wir leben, ordnen müssen. Und gesetzt, dies Mittel wäre an sich selbst widrig und un­angenehm , laßt man sich nicht die wi- drtgsieu Mittel gefallen, um nur aus ei­

ner Krankheit zu entrinnen, und gesund zu feyn ? Und gleichwohl ist Gesundheit nur eine Art der Glückseligkeit. Was würde man nicht thun, um in allem Be­tracht glücklich zu seyn? Allein es ist in der That so unangenehm nicht, seine Neigungen und Wünsche so zu bilden und zu ordnen, als es die Umstände er­fordern. Wer sich den großen Zweck da­von lebhaft vor Augen stellt, der wird in dem Gebrauche dieses Mittels selbst schon ein edles Vergnügen finden. Denn es ist dies das Geschäfte jedes Weisen, auch dessen, den nur der blose Trieb der Vollkommenheit anfeuert, ohne Absicht auf die Beförderung seiner Glückseligkeit.

Es erhellet hieraus, daß die Glück­seligkeit der Menschen, die ihre Neigun­gen nach den Umständen bilden, darin sie leben, keineswegs die Würde eines Zufalles, die Frucht eines Ungefährs, sondern ihr eigenes Werk sen, und in ih­rer freyen Macht und Wühl fteiv. V«-r- geblich beklaget sich daher der Unglück­liche über die Härte des Himmels, über die Graujamkeit des Schicksals, da es ber ihm steht, seine Neigungen so zu ord­nen, daß sie mir den bestimmenden Um­ständen seines Lebens Übereinkommen.

(Die Fortsetzung folgt.)

Bekanntmachungen.

I) Montags den i2ten May Nach­mittags um 2 Uhr sollen bey dem hiesi­gen Weinwirth Balthasar Seip

A. nachfolgende, von Philipp Henrich Deibel aus Wisseck zurückgelassene Wie» sen, als:

i) 1/2 Morg. 94 Rut. 12 Schuh auf der Au zwischen dem Hammweg und der Oberlach, »eben Johannes Ran

Herr-

Man s. Nro* XVI. dieses AnzeMiigsblattcherr.