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Der Tempel des Glücks. Ein T r a u m.
(Beschluß.)
Nunmehr war ich der Göttin so nahe gekommen, daß ich ihr gleich ins Angesicht sehen konnte. Nun bemerkte ich auch zuerst etwas falsches und gezwungenes in ihrem freundlichen Lächeln, welches ich vorher nicht bemerkt hatte. Man konnte nie ihrer Gunst gewiß feyn. Denn verschiedene von denen, die lange Zeit nahe beim Altäre gewesen waren, und ihre größten Günstlinge zu seyn schienen, ließ sie plötzlich, ohne die geringste Urfach anzugeben, aus dem Tempel stossen. Andere hingegen, welche gerne zufrieden gewesen waren , gleich neben der Thür stehen zu bleiben, rief sie zu sich und setzte sie dicht bei dem Altäre oben an. Einige wollen diese Falschheit und Unbeständigkeit von ihrer Blindheit, andere vom Mangel an Verstände herleiten. Wie dem auch seyn mochte, so behielt sie doch Reizungen genug, mich zn bezaubern. Ich war nun dicht beim Altäre, und nach meiner Meinung war nichts mehr ineinen Wünschen übrig. Ich schwamm in einem Meere von Wollust, und hielt mich einige Augenblicke für den glnckse- Ugsten Menschen auf der Welt. Allein Furcht und Langeweile, zwei Frauenzimmer, die sich nächst bei dem Altäre aufhielten, ließen mich nicht lange in diesem süsen Jrrthume bleiben. Die bleiche, zitternde Furcht beunruhigte mich stets, indem sie auf diejenigen wies, welche von andern zurück gestossen wurden, die sich in ihre Stelle drängten. Ich pro» phezeihte mir jede Minute dasselbe Schicksal. Langeweile, eine ausserordentlich fette, unbehülfliche Person, konnte oder mochte sich kaum bewegen, und trug ein Bündel Mohn unter den Armen. Sie gähnte beständig, und brachte dadurch
alle umstehenden Günstlinge des Glücks zum Gähnen. Ich gähnte, wie die andern, und begriff nunmehr, daß der Tempel des Glücks sehr uneiaentl-ich der Tempel der zeitlichem Glückseligkeit genannt ward»
Ich dachte eben hierüber nach, als ich gewahr ward, dhßmein edelmüthiger Beschützer Arift, von dem Altäre des Glücks zurückgegangen war. Er sähe starr in die Höhe nach einem Orte, den ich kaum noch erkennen konnte. Es war dies die Spitze des Berges, worauf, wie Eusebie mir gesagt hatte, der Tempel der ewigen Glückseligkeit lag. Als Arisi endlich seine Augen davon weggewandt, so sah ich, daß eine ruhige und unbeschreibliche Freude sich überfein ganzes Gesicht verbreitet hatte. Jeder seiner Blicke zeigte, mit welcher Gleichgültigkeit er selbst die glänzendsten Gaben des Glücks ansah. Hiebei erinnerte ich mich wieder an Eusebiens Ermahnung, welche mir in dem Taumel, darin ich geraihen war, ganz aus dem Gedächtnisse gekommen war. Ich sah mit einem Verlangen zu dem unsichtbaren Tempel aufdem Berge hinauf, das der Verachtung entsprach, womit ich ansifng den andern zu betrachten. Ais ich mich umsah, ward ich mit Verwunderung gewahr, daß die Dinge, womit ich nmgeben war, sehr viel von ihrem vorigen Glanze verlohrcn hatten. Je mehr ich herauf zu dem Tempel der ewigen Glückseligkeit sah, desto mehr nahm diese Verwunderung zu. Zulezt ward alles dunkel vor meinen Augen. Furcht und Langeweile waren mir noch kenntlich zur Seiten. Aber welch ein Anblick — Eusebie, die göttliche Eusebie stellte sich Plözlich meinen Blicken dar. Ich warf mich in ihre Arme und rief voll Entzücken und Verwunderung: Eusebie in dem Tempel des Glücks l Von dieser schnei-


