Ausgabe 
23.3.1805
 
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Die ZrugaliLat.

(Verfolg.)

Sehe' ich aus diesem Gesichtspunkte Ruf unsere Zeiten, wie wenig glückliche Mitbürger finde ich denn neben rrm i Allenthalben ein Mangel der glücklichen Gnüge! Allenthalben unbefriedigte Be- -ürfniffe, Unzufriedenheit, Klage! Ich stelle mir einen Mitbürger, in einer von unfern Städten, in einer jährlichen Ein­nahme von 400 bis 600 Nthlr. vor. Müste diese nicht weit eher den Bedürf­nissen einer zahlreichen Familie die no- thige Genüge geben, als 2 oder 7romi# fche Morgen Land ? Und dennoch kan mein Mitbürger von seinen Einkünften, nicht einmal, wie er sagt , eine Frau ernähren, und muß im ehelosen Stande Heiden. Ich höre allenthalben Wünsche, - die Besoldungen, welche vielleicht vor verschiedenen Jahrhunderten ausge­setzt sind , gegenwärtig, da die Pretze aller Dinge so sehr gestiegen sind, und die Bedürfnisse des Lebens sich vermeh­ret haben , erhöbet werden mochten, und Klagen, daß man damit nicht mehr auskommen könne, was ehemals noch etwas Uevriges ließ Wodurch können solche Klagen, und Wunsche und Mängel befriedigt werden ? Entweder durch Frugalitär, oder durch nichts. Der Mann, welcher keine Frau ernäh­ren zu können glaubte, und gleichwohl Reitpferde, Bediente, vielleicht Maitres- fen ernähret, Gold auf reichen Kleidern trägt, aus Silber iffet und trinket, auf Pflaumenfedern ruht , sich mit Atlas decket, >n Zimmern mit ausgewachsten Fußboden und tapezierten Wänden wohnt, «nd mehr begehrt, als vor hundert Jah­ren mancher Fürst begehrte, dieser Mann lerne etwas von feinem Ueberfluffe ent» Lehren, so wird ihm nichis fehlen; er lerne einigen Mangel leiden, so wird ts

reich sehn, uud die Genüge haben. Un­sere Zeit hat Mangel und Ueberfluß zu­gleich, und seufzet bey beyoen; sie iss arm und reich , nnd niemals glücklich. Es fehlt ihr das glückliche Mittel zwi­schen beyden.

(DerVerfolg künftig.)

Edictalcitatisnen-

1) Nachdem ui voriger Woche der hiesige Burger und Krämer Ernst Bersch heimlich entwichen , nnd der Anzeige nach eine beträchtliche Menge Schulden cons trakirr haben soll, dieserhalbeu einswei- len von Amlswegen die Obsignation deS zurückgelassenen Vermögens veringt wor­den; bevor aber die weitere Fnrkebruir- gen getroffen werden können, die Erklä­rung der Gläubiger wegen Festsetzung deS Activvermögens erforderlich ist; als wer­denalle diejenige, welche an den entwi­chenen Ernst Bersch eine Forderung na­ben , hiermit ausgefvrderi, in dem auf Donnerstag den asten hu jus , Morgens y Uhr, anberaumten Termin vor dahiesi- gem Stadtamt entweder m Person, oder durch einen Bevollmächtigten zu erschei­nen , ihre Forderungen vorläufig anzu- zeigen, sodann ihre Erklärung wegen Festsetzung der Masse und Bestellung ei­nes Curators abzugeben.

Giessen Den laten März 18.05, Landgraf!. Hess. Stadtamt allda.

I. L. C. Rayß.

2) Nachdem der Landgräfl Hessische Stabsauditeur Bogt dahier den i7ten verflossenen Monates verstorben ist, vor feinem Tode aber noch eine gerichtliche letzte Willensdisposi'non errichtet hat, uud man nun zu wissen für, nöthia findet, wer eigentlich Die rechtmäsigen Jnicstat- erben gedachten Stabsauditeurs Vogt sind, «nd ob und inwieweit Dieselbe etwa hei -em yyrliegenden Testament Ansprüche