Ausgabe 
16.3.1805
 
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) 42 (

Die Frugalitat.

(Verfolg.)

Die Frugalität bat ferner eineAehn- lichkrrt mit den Tugenden der Begnüg- samkeit, der Mässigkeit, der Sparsam­keit. Cs liegen von allen diesen Voll­kommenbeiten die Züge in ihr. Allein sie ist mebr als alle drey zusammen. Bei Begnügsamkeit, Massigkeit und Spar­samkeit, fehlen die Begriffe des Reich­lichen, des völlig Hinlänglichen, die der Frugalität eigen sind, und es finden bei jenen Tugenden die Vorstellungen statt, die man sich von Verleugnung, von Ent- ziekung yon etwas, das wir unS fehlen lassen, macht, welche Vorstellungen die Frugalität nicht erweckt , noch duldet. Ich halte also davor, daß man frugal weder durch massig noch durch sparsam, noch durch begnügsam übersetzen könne, obgleich alles dies die Frugalitat gewis­ser massen in sich fasset.

Jedoch ich wende mich ans der bis­herigen Ferne naher zu meiner Tugend. Mir deucht ich fehle nicht, wen,sich die Frugalität also beschreibe: Sie ist die Tu­gend, oder das Vermögen, sein besitzen- deo Gut so zu gebrauchen, daß die na­türlichen und wahren Bedürfnisse des Le­dens dabei eine Befriedigung und eine Genüge finden.

Alle Umstande der alten Römer recht­fertigen diesen Begriff. Ihre 2 bis 7 Mor­gen schäften den Bedürfnissen ihrer Fa- imhe eine Genüge. Sie wüsten dieselben so zu nutzen, und das darauf erzielte Gut so zu brauchen, daß ihnen nichts fehlte. Denn sie sahen nur auf die wah­ren und natürlichen Bedürfnisse des Le­bens, nicht auf Pracht, nicht auf das, was Weichlichkeit, verwöhnte Begierden, und der Dienst der Wollust erfodern.

Folgende Satze, die sich auf den gegebenen Begriff beziehen, und ihnguö-

emander setzen, werden die Sache in ihr völliges Licht setzen , und den Zugang in das Heiligthum dieser Tugend erök- nen und erleichtern.

1.

Dem Frugalen fehlet nichts.

. Der Begriff der Frugalitat fasset eme gewisse Gnnge in sich, welche mensch­liche Bedürfnisse durch diese Tugend fin­den, eine Gnüge, sowol der unverwöbn- ten Begierden, als auch der Güter leibst, die wir gebrauchen. Schliesset eine solche Gnuge nicht allen Mangel aus?

Hier unterscheidet sich der Frugale tzon dem, welcher so mässig lebt, daß daß er in mancher Sache Mangel leidet, sich etwas entziehet, und seinen Begier­den lieber Gewalt anthut, als sich die glückliche Genüge der Frugalität ver­schaffet. Ich sage Genüge. Und diese ist keine Fülle, kein Uebctfluß. Daher stebet Frugalitat zwischen Mangel und Ueberflnß, zwischen Verschwendung und der filzigen Sparsamkeit in der Mitte.

Hieraus ist klar, was für einen star­ken Einfluß die Frugalität in die wahre Glückseligkeit der Mensche» habe. Was ist die Glückseligkeit der Sterblichen an­ders, als eine Genüge ihrer Wünscheund Bedürfnisse? Ungestillte B edürfnisse erre­gen Seufzer und Sehnen, Unzufrieden­heit und Klagen. Kann man sich dabei eine Glückfeiigkeit vorstellen? Die Ge­nüge hingegen, welche unsere Bedürfnisse finden, erweckte Ruhe und Zusriedenbeit. Und wenn dies nicht glücklich seyn hetßt. ist kein Glück auf Erden.

(DerVerfolg künftig.)

Nachricht.

ES ist die Anzeige geschehen, daß deS Nachts viele Hunde anf den Strassen her­umgelaufen , welche durch anbalte' des Bellen und Heulen dte nächtliche Ruhe störten.