Ausgabe 
14.9.1805
 
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Hier muß uns, aber von rechtswegen der geschwinde Hintritt unserer Mitbürger gar nicht, ihr langsamer Tod aber gar sehr bekümmern. <ginb .wir bei dem Sterbebette unserer Brüder gewesen? Ach, welch ein betrübter Airblick! Wie sauer wird es nicht einem Sterbenden, durch eine tödtliche Krankheit allgemach ausgemergelt zu werden? Wie schwer, wenn er einem gebeugten Ehegatten, ei­ner Anzahl geliebter Kinder, die Ab- schiedohand geben, und ihnen das lezte Lebewohl auf ewig sagen soll? Wie bit­ter ist nicht der Todcckampf, darinnen alle Menschen, auch die, von denen wir glauben, daß sie sauft verschieden sind, arbeiten müssen ? Kann etwas unser Mit­leiden erregen : so sind es diese Umstände des Todes. Das alles aber fallt, bei einem schleunigen Sterben, auf einmal weg. Der Wechsel zwischen int ferm Le­ben und Tode ist nur ein Augenblick.

Seelen, die zu ihrer seligen Verewi­gung allezeit wahrhaftig bereitet sind, können daher nach meinem Urtheile, ei» neu geschwinden Abschied sogar zum Ge­genstände ihrer Wünsche machen: und der bekannte Ausspruch, in welchem wir einen schnellen Tod vor Gott verbitten, muß nur allein, wenn es recht seyn soll, auf das 2Vort bös eingeschränkt wer­den. Und so ist das Mitleiden in der That ungegründet, das wir über den schleunigen Tod anderer Menschen em­pfinden. Würde man uns nicht für un­vernünftig halten, wenn wir unfern Freund bedauerten, daß er eine recht uothwendige Reise mit einem guten Fuhr­werke , in einer Stunde zurückgelegt hatte: und dagegen einen andern beklag­ten, daß er mit den größten Beschwer­lichkeiten, und mit einem elenden Ge­spanne, eine gleiche Entlegenheit, nur erst nach einem ganzen Tage habe errei­

chen können? Mau kann demnach die allgemeine Bestürzung über einen plötz" l ich en Tod im wahren Verstände kein Mitleideu nennen.

( Der Verfolg "künftig. )

Bekanntmachungen.

i) Künftigen Montag als den löten dieses Nachmittags 2. Uhr soll in dem Zimmeihof ein noch wenig gebrauchtes verdecktes Wägelchen gegen baare Be­zahlung verstrichen werden.

Giessen den iztenSept. 1805*

2) Ein Logis ist auf dem Selzerß- weg zu verlehnen, so in einer Stube, Kammer, Boden, Küche, undHolzplaz bestehet. Es kann sogleich bezogen wer­den. Ausgeber sagt: bei wem?

3) 200 Gulden liegen'gegen gericht­liche Sicherheit und gewöhnliche Binfen zum Ausleihen parat. Den Eigenthu- mer erfährt man bei Ausgebern.

4) Ich habe das Wohnhaus von dem verstorbenen Burger und Mezger Adolph Sack, aus der Mäusbttrg, be­zogen , und empfehle mich mit mehreren Sorten guten Brandwein, Apfelwein, und Bier, welche ich sowo! in dem Hans als über die Strafe, in billigen Preisen verzapfen werde. . Giessen den 13. Sep- tembr. 1805.

Philipp Bekker.

Gottesdienst am 15. Septembr.

In der St. Pancratiuskirche. Mor­gens Herr Professor Palmer. * Nachmit­tags Herr Superintendent Muller.

In der Vurgkirche. Morgens Herr Superintendent Schulz. Nachmittags Herr Pfarrer Buff.

. Mor-