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Die Frugalität.
(Verfolg.)
Gesetzt, wir wüsten also in dem Aensserlichen des gesellschaftlichen Lebens noch Sclaven des unfrugalen Geschmacks unserer Zeit bleiben, und den Tyrannen, die man Etikette, Mode, Gewohnheit, Lebensart, nennen, frohnen; wer verbietet uns denn, in unendlich vielen andern Dingen, die nicht unter so barbarischen Gesetzen, sondern in unserer freien Willkühr stehen, in die Grenzen der Natur und Vernunft zurück zu kehren?
Unter die unnatürlichen Bedürfnisse des Lebens, welche die Frugalität verbannet wissen will, rechne ich mit Recht zwei Arten, die nicht anders, als durch den Gebrauch des stärksten Giftes gestil- let werden können, welches von der Natur ist, daß es diejenigen, die es genie- sen, einige Augenblicke sehr lustig macht und aufwecket, hernach geschwind tddter. Diese Bedürfnisse mit ihren traurigen Gegenmitteln herrschen in Städten häufiger, als auf dem Lande. Sie heissen Spiel und Zeitvertreib.' Man kann in Städten schwerlich einen Tag ohne dieselben hinbringen. Man bereitet sich, sobald man des Morgens das Bette ver- läst, dazu vor, und schlaft des Abends mit den Gedanken ein, wie man ihrer des andern Tages wteder geniesen möge.
Ich hasse eine übertriebene Sittenlehre, die sich immer bestrebt, das Register der Sünden zu vermehren, und zu verbieten, wo Gott und die Natur nicht verbieten. Ich tadele alle Moralisten, die dasjenige, was der menschlichen Natur angemessen, was ihrer Wohlfahrt ge- mäS, folglich leicht und angenehm ist, zu schweren abschreckenden Pflichten machen , und durch ihre zu hoch gespannte Foderungen mehr Lust und Neigung zum
Laster, als zur Tugend machen. Ich tadele also an sich weder Spiel noch Zeitvertreibe, und sehe beiden oft gerne mit heitrer Stirne zu. Wenn ich demnach davon behaupte, daß sie unnatürliche Bedürfnisse voraussetzen, und ein schädliches Gift sind; so sehe ich blos,' theils auf ihre Art, theils auf ihren Mis- brauch. Unsere frugale Vorwelt spielte auch. Aber ihre Spiele waren edel, unschuldig und nützlich. Sie bestunden in Leibesübungen, welche die menschliche Maschine vollkommener, harter, geschwinder machen konnten, in Dingen, welche den Geist schärften, und die Neigungen vom Müsiggange, von Weichlichkeit abziehen, und zum Muth, zur Arbeitsamkeit, zur Tapferkeit anfeuern konnten. Die Turniere, die Ritterspiele, die Wettlaufe, die Kämpfe, das Ringen, das Jagen und Verfolgen wilder Thiere, das Schachspiel, gehörten unter diese edle Arten der Spiele und Zeitvertreibe.
Man betrachte hingegen unsere Karten- und Würfel- und sogenannte Ha- zardspiele, dabei es blos darauf ankömitif, den Mitbruder ärmer, und sich selbst reicher zu machen, dabei den Gewinn nicht das geringste Verdienst krönet, weil er aufeinem blosen Giücksfalle beruhet, der dem Düinsten so leicht, als dem Klügsten sich znneiget; dabei unmenschliche Gesinnungen vorausgesezt werden, denn es ist unmenschlich, sich über den Schadendes Nächsten zu freuen, und das zu wünschen, was jenem schmerzlich und nachtheilig ist; man erwäge, wie niederträchtig alle solche Spiele sind, indem dabei alles aufs Geld, nichts auf Ehre, Ruhm und wahre Vergnügung ankömmt; wie wird man dabei wohl einen Helden, einen Patrioten, einen Menschenfreund, einen Gerechten, der jedem das Seinige gönnt, und keines fremden Guts begehret, erkennen, wenn
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