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Die Ernte.

Die grüne Ebene verändert ihr . Frühkingskleid , und wird von heissern Strahlen der Sonne befruchtet, gelb. Der Zephir spielt nicht mehr so leicht mit jungen, und durch seinen Hauch bewegt wallenden Halmen. Das Bild sanft bewegter Wellen verschwindet aus der Flur. Der reifende Halm steift sich, und rauscht den Winden entgegen, und tragt männlich die fruchtbare Last kbrnigrer Aehren. Die Felder werden zu dichlen Wäldern umgeschaffen, die kein Sonnen­strahl durchdringt, die eine Wildnis für lausend lebendige Geschöpfe sind; eine Wildnis, darin-die trage Wachtel weidet und sich mästet; daraus die Lerche sich dem Morgeurvth entgegen empor schwin­get, um ihren Schöpfer zu loben; darin das Rebhuhn seine wilde Jugend erzieht, und der schüchterne Haase für den Ver­folgungen derer, die ihn nur um feines Todes "willen grausam lieben, Sicherheit findet. Alles verkündigt die Annäherung der Zeit, welche die Hvfuuug des länd­lichen Jahres erfüllen, und Arbeiten, die blos auf Hofnung verrichtet wurden, mit Gütern krönen wird.

Sie-ist da, die angenehme Ernte! Ich sehe den nervigten Landmann, und die braune Dirne, auf deren Wangen Gesundheit blühet, Haufenweise zu Felde ziehen. Stolz, frei um sich sehend, kommen sie zurück , wenn kaum die lezre Abenddämmerung mir erlaubt, bei ihnen vorübergehend, die Schweißtropfen noch zu bemerken, die an ihrer Stirne hangen.

Es verändert sich jezt abermals die Gestalt der Erde. Die volle und schwere Aehre sinket vor Der Hand des Schnitters. Sie sinket, und bedecket dicht den Schoos, der sie gezeuget hatte. Bald richtet sie sich in Bunde geschnüret in Hocken wie­

der auf. Und siebe da die Gestalt eines Lagers in viel tausend Gezelieu! Denn knackt die schwer befrachtete Achse unter der erwünschten Last, welche feurige Rosse, von singenden Führern geleitet, zur ge­räumigen Scheure führen. Man arbei­tet, und mau lacht und jauchzet mit Schweife bedecket. Denn diese Arbeit vergilt sich selbst, und dieser Schweis ist Lohn. Still und verlassen ist jezt die Hütte des Dorfs, von den ersten Bli­cken der Morgenröthe an, bis zur lezten Abenddämmerung Laut lebt hingegen das Feld. Hier ist Heerd, Tisch und Keller, die in der Thar Erquickung uiid Starke in abgemaltere Glieder stöffen.

Dankbar giebr uns jezt die Erde den Saamen mir reichen Zinsen, den wir ihr anvertrauer hakten. Wir füllen Scheu­ern, Boden, Keller und Vorratbshäusek mit Früchten mancher Art, die wir als einen Segen des Himmels betrachten. Weise, verehrungswürdige Vorsehung! Es kömmt eine Zeit, da die jezt lachen­den Fluren tranren, da ihre Kinder vom rauben Nordwiiide getödtet werden, da sie selbst mit Schnee und Eis bedecket, von Frost erstarret, als todt da liegen, und jede Pflanze in ihnen stirbt, eine Zeit, die allen Kreaturen , ohne Vorrath, den Untergang bringen würde. Den Mangel und die Unfruchtbarkeit des ' Winters zu ersetzen, giebk uns die Vor­sehung jezt so reiche Güter , über deren Hervorbringung sich die Natur erschöpft, und nachinals müde wieder Kräfte samm­let. So machst du es, weiser Regierer, in allem! Jedein Mange! sieht in deiner Welt eine Vollkommenheit gegen über, die ihn reichlich ersetzt. Wer darauf mer­ket, wird dich niemals tadeln, noch un­zufrieden leben. Der Weise aber merkt es, und betet dich an.