Ausgabe 
20.10.1804
 
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Gedanken über den Herbst.

Jezt erscheinet die güldene CereS von dem Gefolge ihrer Reichthümer begleitet. Ihr Füllhorn ergieset strömende Schütze auf dre Bewohner der Erde, die Gebur­ten ihrer Felder, die gereiften Früchte, welche Regen, Sturm, Frost und bren­nende Hitze überstanden, sind auf ge- thürmten Wagen kirrend zur Scheuer hingeschlichen.

O! sey uns gegrüset, sey uns ge­segnet, milde Jahrszeit! Und du, all- genugsamer, wohlrhätiger Vater! der du diese Fülle an Nahrungen und Schützen mit weiser Vertheilung unter deine Kin­der ausspeudest, sey würdig von denen besungen, welche Vernunft und Offen­barung zu dieser Pflicht auffordcrt. Dir danke der Greis mit reinen Händen, der muntere Jüngling mit zärtlicher Empfin­dung , und das unmündige Kind in dir gefälligem Lallen.

Nicht nur jene von ihrem prächtigen Schmucke abgeschvrne und leer gemach­ten Fluren erinnern die Dankbegierde, den schuldigen Weihrauch der ewigen Gottheit zu opfern; der Anblick der schwankenden Gipfel und Obstreichen Zweige unter­schiedener Bäume in kunstreich angeleg­ten, und ohne Kunst umzäunten Garten, ist nicht minder sinnlich lehrreich für den­kende Menschen.

Von reichen Saften in Schalen und Hülsen eingefäsert, beugen sich die be­schwerten Gipfel und Zweige zur Erde herunter; sie stellendem Hochmuth ein Bild der Demnth vor Augen; sie lehren den Geizigen die Freygebigkeit, den Rei­chen die grose Pflicht der Dürftigkeit der Brüder abzuhelfen.

Der Wanderer, der mit müden Schritten vorübergehet, und den herab­

rollenden Schweis von seinen Wangen wischet, nimmt, ohne Weigerung uud Verdruß wahrzunehmen, einen Zehnden von der Menge des Vvrraths sprach - und vernnnftloser Gewächse. Wiei sollte denn nicht der König unter sichtbaren Kreaturen, der Mensch, der denket uud redet, Gott 1 deine Allmacht bewundern deine Güte, die nimmer ermüdet, prei­sen und die Absichten erfüllen , die du mit Wohlthaten, mit Ueberfluß und Ge- deyen. verknüpfest? Owie klug ist die Beschäftigung, schon hier in der Vorbe­reitungsschule auf die Ewigkeit, in der kurzen Frist des Lebens, die Quelle der höchsten Vollkommenheit und ewig dau- renden reinen Freude kennen zu lernen. In den Werken der Natur Gottes anbe­tungswürdige Majestät empfinden, ist Weisheit, und die Gröse seiner Liebe in dem Gnadenreiche bewundern, und im Glauben erkennen, das ist Seligkeit.

Ein Mensch müste blind und ohne Empfindung seyn» wenn er schweigen, und seinen Mund nicht aufthun wollte, da leblose Dinge gleichsam Herolde von der Gröse des Schöpfers, von seinen Wun­dern und Thaten sind, und seine Kraft, Weisheit und Güte entzückend besingen^ Unvernünftige Thiere stimmen in tau­sendfachen harmonischen Concerken ihre Lob - und Danklieder an. Ein Tag sagt dem andern den Ruhm des Selbständi­gen , der die Welt aus dem Nichts wun­derbar hervorrief, wieder.

( Der Verfolg künftig.)

Bekanntmachungen. *

i) Auf Montag den 2<-ten October d. I. Vormittags um y Uhr wird das Gut des Franenklosters Nazaret zu Stör­mede unwetl Geseke iin Herzogthum West­phalen gelegen, nnd bestehend in ungefähr

6 Morgen Gärten

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