) 166 (
Gedanken über den Herbst.
Jezt erscheinet die güldene CereS von dem Gefolge ihrer Reichthümer begleitet. Ihr Füllhorn ergieset strömende Schütze auf dre Bewohner der Erde, die Geburten ihrer Felder, die gereiften Früchte, welche Regen, Sturm, Frost und brennende Hitze überstanden, sind auf ge- thürmten Wagen kirrend zur Scheuer hingeschlichen.
O! sey uns gegrüset, sey uns gesegnet, milde Jahrszeit! — Und du, all- genugsamer, wohlrhätiger Vater! der du diese Fülle an Nahrungen und Schützen mit weiser Vertheilung unter deine Kinder ausspeudest, sey würdig von denen besungen, welche Vernunft und Offenbarung zu dieser Pflicht auffordcrt. Dir danke der Greis mit reinen Händen, der muntere Jüngling mit zärtlicher Empfindung , und das unmündige Kind in dir gefälligem Lallen.
Nicht nur jene von ihrem prächtigen Schmucke abgeschvrne und leer gemachten Fluren erinnern die Dankbegierde, den schuldigen Weihrauch der ewigen Gottheit zu opfern; der Anblick der schwankenden Gipfel und Obstreichen Zweige unterschiedener Bäume in kunstreich angelegten, und ohne Kunst umzäunten Garten, ist nicht minder sinnlich lehrreich für denkende Menschen.
Von reichen Saften in Schalen und Hülsen eingefäsert, beugen sich die beschwerten Gipfel und Zweige zur Erde herunter; sie stellendem Hochmuth ein Bild der Demnth vor Augen; sie lehren den Geizigen die Freygebigkeit, den Reichen die grose Pflicht der Dürftigkeit der Brüder abzuhelfen.
Der Wanderer, der mit müden Schritten vorübergehet, und den herab
rollenden Schweis von seinen Wangen wischet, nimmt, ohne Weigerung uud Verdruß wahrzunehmen, einen Zehnden von der Menge des Vvrraths sprach - und vernnnftloser Gewächse. Wie ‘i sollte denn nicht der König unter sichtbaren Kreaturen, der Mensch, der denket uud redet, Gott 1 deine Allmacht bewundern — deine Güte, die nimmer ermüdet, preisen — und die Absichten erfüllen , die du mit Wohlthaten, mit Ueberfluß und Ge- deyen. verknüpfest? Owie klug ist die Beschäftigung, schon hier in der Vorbereitungsschule auf die Ewigkeit, in der kurzen Frist des Lebens, die Quelle der höchsten Vollkommenheit und ewig dau- renden reinen Freude kennen zu lernen. In den Werken der Natur Gottes anbetungswürdige Majestät empfinden, ist Weisheit, und die Gröse seiner Liebe in dem Gnadenreiche bewundern, und im Glauben erkennen, das ist Seligkeit.
Ein Mensch müste blind und ohne Empfindung seyn» wenn er schweigen, und seinen Mund nicht aufthun wollte, da leblose Dinge gleichsam Herolde von der Gröse des Schöpfers, von seinen Wundern und Thaten sind, und seine Kraft, Weisheit und Güte entzückend besingen^ Unvernünftige Thiere stimmen in tausendfachen harmonischen Concerken ihre Lob - und Danklieder an. Ein Tag sagt dem andern den Ruhm des Selbständigen , der die Welt aus dem Nichts wunderbar hervorrief, wieder.
( Der Verfolg künftig.)
Bekanntmachungen. *
i) Auf Montag den 2<-ten October d. I. Vormittags um y Uhr wird das Gut des Franenklosters Nazaret zu Störmede unwetl Geseke iin Herzogthum Westphalen gelegen, nnd bestehend in ungefähr
6 Morgen Gärten
zioM.


