Ausgabe 
18.8.1804
 
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Aussichten

über die Natur im Grossen.

( Beschlus.)

Die Sonne selbst hat Flecken, die sich sehr regelmäßig zu bewegen scheinen, und die an Gröse den ersten Planeten gleichkommen, nnd oft sie übertreffen.

Die Sonne hat auch noch eine At­mosphäre, die sich wenigstens bis an un­fern Planeren erstreckt, die nach ihrem Untergänge wie eine weisse durchsichtige Wolke erscheint, die spitzig zuläuft, nnd schief gegen den Tvterkreis geneigt ist. Sie heißt daher der Zodiacalschein.

Die Materie dieser Atmosphäre wird von den Bolen der Erde ungezogen, und fällt aufvie obern Schichten unserer Luft. Sollte sie nicht die Ursache des Nordlichts seyn, wovon die wunderbar zusammen­gehäufte Säulen, die Hellen Strahlen, und vielfärbigten Bogen den Bewohnern des Polarkreises die langen Nächte er­heitern und verschönern.

Wenn aber Himmelskörper, die so groS oder weit gröser sind als unsere Erdkugel; wenn Körper, die wie die Erde, um die Sonne nnd um sich selbst sich drehen; wenn Körper, bieder Mit- telpunct von einem oder mehrer» Monden sind, die um sie herlaufen; wenn Körper, worauf wir verschiedenes ähnliche oder gleichförmige, mit dem was wir auf un­serer Erde sehen, antreffen; wenn diese Körper, sage ich, ohne Bewohner wä­ren, was würde ihre Bestimmung, ihr Endzweck seyn ?

' Wie klein, wie unwürdig der anbe­tungswürdigen Majestät des Schöpfers würde dao Weltgebäude seyn, wann es iit den engen Grenzen dieses kleinen Erd­haufens, auf dem wir herum kriechen, eingeschränkt wäre? Nein, laßt uns die

Grenzen des Weltgebäudes, und mit ih­nen die Grenzen unsers Geistes erweitern. Die Sterne, dnrch das Fernrohr betrach­tet, sind unzählbar: ihr funkelnder Glanz beweiset, baßes ihr eigen Licht ist, wel­ches von ihnen strahlet. Sie sind in ei­ner Entfernung sichtbar, die unendlich gröser ist, als die Entfernung des Sa- turns, also ist jeder Stern eine Sonne. Unsere Sonne, von einem Sterns her gesehen, würde auch nur wie ein Stern erscheinen. Es giebt also eine unendliche Menge von Sonnen; und wozu dienen sie, wenn es nicht Wesen gäbe, Vie sie erleuchten und erwärmen! Was ist na­türlicher, als zu denken, daß noch an­dere Wellen von ihnen erleuchtet werden, die wir ihrer erstaunenden Entfernung wegen nur nicht sehen können, die aber so gut wie die unsrige, ihre Products, ihre Einwohner haben!

Die Einbildungskraft sinkt unter dem Gewichte der Schöpfung ohnmächtig da­hin. Sie sucht die Erde, und kann sie nicht mehr finden: Wie ein Sräubgen auf einem grosen Gebirge, verliert sich unsere Wohnung unter dem unermeßli­chen Haufen der himmlischen Körper. Wer weiß aber, ob in dem Mittelpunkt dieser Welten, es nicht wieder einen ver- hält.nismäsigen Wirbel giebt? Wer weiß endlich, wo die lezte Stufe die,er Leiter ist?

Aber laßt uns einen Hähern Flug nehmen, und auf den majestätischen Flü­geln der Offenbarung getragen, die My­riaden der Welten durcheilen, uns dem Himmel zu nähern, den Gott bewohnet.

Glänzende Vorhöfe der ewigen Herr­lichkeit^ ewige Wohnungen seliger Gei­ster, Alkerheiligstes derSchöpfung, Licht zu dem niemand kommen kann, erhabe­ner Thron des, der ist, kann ein Wurm euch beschreiben!

Be-