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Gedanken über den Herbst»
( Beschlus.)
Die Pflicht erfordert nicht nur diejenigen, die uns nützlich sind, oderseyn können, zu lieben, sondern auch einen jeden, dem wir dienen können , mit unserer Liebe zu umfassen. Dabin zwecket die Vortreflichkeit der Tugend in ihrer ganzen Ausdehnung. Menschenliebe, Gunstbezeigungen nnd Wohlt.haten auf Eigennuz gegründet, haben nie das edle irnd erhabene, welches der Vernünftigen Beifall und Lob verdienet. Liebe mit Dankbarkeit verbunden beglückt sich immer selbst in dem Grade, worin sie andere zu beglücken suchet.
Es schlafe der Geizige hinter Thüren mit Eisen verriegelt. Er wache seinen Götzen, den Goldklumpen,, znm Kiffen deS schwindelnden Hauptes. Erbrüte, gleich einer Henne, Reichrhümer zu Reichthü- mern aus. Der Pflichtvergessene schwärme in immer neuem Getümmel unsinniger Belustigungen umher. Er verändere täglich die Versuche zur Sättigung wilder Begierden! wann wird er glückselig? wann wird er die Absicht, warum er in dieser Unterwelr lebet, erreichen ? War jene Handlung eines Weisen in alten Zeiten unvernünftig, der am Hellen Mittage mit brennendem Lichte Menschen auf dem Markte suchtet Ohne Zweifel vermisset- er vornemlich die Dankbaren gegen die Wvhlthaten des Himmels.
Doch Gedanken, wo eilet ihr hin! der Herbst war euer Gegenstand, über dessen milde Güte auch für dieses Jahr unsere Gegend frohlocket. Ader alles, was die Erde aus ihrem fruchrreichen Schoose mitgerheilet hat, kehret auch wieder in denselben zurück. Sie nimmt das ihrige wieder zu sich. Soll denn der Mensch, der in ihrem Busen gräbt, und Schätze sammlet, verschwenderisch seyn, oder geizen? Soll er Verunglückte ohne thätigen Beistand vor sich sehen, nnd verweisen? Soll er seinen Ueberfluß zu Ausgaben widmen , die schädlich sind ? — Wie heilig ist die Pflicht: vergiß nicht, dem Dürftigen dein Brod zu brechen ! da der Reiche selbst von lauter Gnade lebt. Ohne sie würde er nicht einmal ein Bettler, sondern eine verwaisete Kreatur seyn, die bald verschmachten müßte.
Glückliche Bewohner des Landes, welche der treuen Güte Gottes Dank mit reinem Herzen zurufen I Jrdischgesinnte wögen sich freuen in unreinen Freuden, und in Pracht nnd Wollüsten rauschen.
Dreimal beglückter Weltbürger, der seinen Heerd in einem Walde oder auf einem Gefilde hat, wo er mit Ruhe und Danksagung die Gaben deö gnädigen Versorgers geniesset, und ehe der Herbst seiner Jahre herzueilet, bereit stehet, in jedem Alter mit Vergnügen den Tod zu erwarten, und seine Glieder in den Schoos der Erde, die unser aller Mutter ist , niedekzulegen!
Sein Leben übertrifft weit eines Erb- sus Schatze,
Und seine Einsamkeit den Lerm be- volkter Platze.
Wie selig stirbt ein Greis! wie selig stirbt ein Kind!
Wenn beide tugendhaft, dankbare Christen sind.
V * Ür #
Bekanntmachungen.
l) Da bei Landgräfl. Hess. Stadt- amt, des in den Schutz hieher gnädigst recipirten Inden Isaac Simons Ehefrau, Sprintz,


