Ausgabe 
1.9.1804
 
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z Die Ernte.

' (Beschlus.)

Doch die Geschäftigkeit meines Lan­des gleicht dem täglichen Gewühl, der Städte nicht. Sie ist mehr Natur und f Unschuld als dieses. Sie flieset aus reis «ern Quellen. Sie hat einfachere Trieb­federn. Hier arbeiten wir um Nothdurft. Hier schw tzen wir für uns und unsere Kinder um dasjenige, wodurch wir uns ür Mangel schützen; wodurch wir ehr- iche Männer bleiben; wodurch wir un­tre unvcrmeidl che Lasten mit Ehren tra- zen können. Hier sammlen wir nur das­jenige ein, was uns die gütige Hand dec Allmacht darbietet, und was wir für ei­nen Segen des Himmels ausgeben kön­nen. Aber, o mögte ich im Gewühl der Städte nicht Triebfedern wahrnehmen, ' welche der Betrug, die Gewinnsucht und der Wucher gespanner har! Mögte ich nicht wissen, daß man da oft den Fluch gewinnet, wv mau den Schweiß anderer «n sich zieht.

Hinweg mit diesen Gegenständen!. Nun kann der Landmann bald Brod von neuen» Korne essen, und Kuchen von fri- schem Waitzen backen. Wie süß schmeckt ihm diese Nahrung ! Er weiß es noch ans dem Andenken des vorigen Jahres, daß fein erstes Brod aus frischen» Rocken süß schmeckte, und die Augen sowol als der Geruch, sich belustigend dabei beschäskig- len, es seiner Begi rde durch den Reitz mehrerer Sinne noch angenehmer zu ma- chenr Und ist nicht alles süß und ange, nehm, was wir rechrmäsig besitzen, durch \ eigene Arbeiten erwerben, und der Vor­sehung als ein Geschenk verdanken kön­nen? Nur das verliert seinen Werth, wor­über das Bewußlsenn des Bösen uuzu- Versüssende Bitterkeiten zerstreuet.

Nun Landmann! Nun hast du deinen Vorrats) auf den Wimek l» Sicherheit ge­

bracht. Nun kannst du deine Abgaben und Ausgaben erstehe»». Nun brauchst du keines Dinges mehr. Nun, trink, sey gutes Muths; sey trotzig und sicher! Nein! Wisse, es gehört mehr zur Glückseligkeit und Sicherheit dieses Le­bens, als ein zusammengehäufter Vor­rath. Was könnte dir deine ganze glücke liche Ernte helfen, wenn dir heute die Posaune des Todesengels ersch'allere, und diese Nacht deine Seele sich oon dir treu- nete? Was nützrerr dir deine Arbeiten, wenn eh e Flamme ihre Früchte verzehrte? Was nützle dir der Vorrath für dein Vieh, wenn sich ihm die Sterbedrüse anhängte, und es plötzlich dahin siele? Erkanntest du, daß die Ernte eine Gabe des All­mächtigen fev, als deinen Früchte»» auf denr Felde noch Hagel und U»>gewitrer, noch Dürre und üoerflüssiger Regen, »»och Ungeziefer und Mäusefraß das Verder­ben UlplftUu , mußfoft bu , olK fclt

von allen viesen möglichen Uebeln de- freyet , deine ein geeint etc Früchte mit lächelnden Blicken in Sicherheit sähest: Der Herr hats gegeben ! So erkenne nun auch, daß dein Vorrath einen gött­lichen Bewahrer nöthig bat, der den Ge­brauch und Genuß desselben mir Gedeven verbinden muß Danke dem Geber, und flehe mit Zuversicht, daß er auch Bewah­rer sey. Alsdann lebe in göttlicher Si­cherheit mit deinem Gute vergnügt, und laß im Vertrauen auf die höchste Vorse­hung deine Seele guter Dmge seynl

Ich rede mir meinen ländlichen Lieb­lingen in der Sprache der redlichen Ein­falt. Vielleicht hört es der menschen­feindliche Unglaube, und runzelt darüber feine ohnedem falngte flüstere Stirne, ujih spricht, unnatürlich lachend : Thor- beit ! Doch, du Scheinlarve der Weis­heit , die in der Tb ar nur Blindheit be­decket, höre, Unthter, das entweder kei­nen.