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Einige Denkwürdigkeiten des i8tcn Jahrhunderts, die nicht vergessen zu werden verdienen.
(Verfolg,)
Die deutschen Soldaten hatten da» selbst (in Amerika)'eine freiere und männlichere Bildung erhalten sie hatten sich mit manchen Kenntnissen bereis tfyert, von manchem Vorurtheike befreiet, die neue Welt besser kennen gelernt, fremde Sitten und Manieren zum Theil angenommen.") Die englische Sprache fand mehr Verehrer. In diesem Krieg konnte und mußte der Bürgerliche so gut, als der Edelmann zum Offizier avanci- ren, wenn ihn die Reihe traf, und er die erforderlichen Eigenschaften hatte. Dies gab dem Miiitair- Esprit bei denjenigen Truppen, wo so etwas dis dahin unerhört war, einen neuen Schwung. Diesem Zug danken wir D. Schopfs Reisen in Amerika, seine JVlatcria medica americana, seine hiftoria teltudmum, die schönen Briefe der Fran von Ried- <fcl, so manchen unterrichtenden Aufsatz in Schlötzers Briefwechsel. Der hessische Hauptmann von Wangenheim stu- dirtc hier die Naturgeschichte der amerikanischen Holzarten , die er hernach durch zwei wichtige Werke bekannt machte. Von hier an schreibt sich die Neigung der Deutschen zu den amerikanischen Holzarten. Er hatte sie geweckt.
Aber manches Land schlug durch diese Subsidien seiner Bevölkerung und Landeskultur eine tiefe Wunde. Man sah in vielen Gegenden Weiber mit dem Pflug und der Ege den Acker bauen. Dte Subsidiengelder kamen selten in andere Kassen als tu die landesherrlichen, wo
sie als tobte Schatze liegen blieben, oder blos bereit Privatbesitzern zum Com- merzartikel dienten. Man las damals so manchen rührenden Brief aus der neuen Welt, so manches freie Lied, und wer erinnert sich nicht noch der Strophe?
Fluch sey noch jenem Tage, Fluch! Da Fancit zu uns kam. Und unsre Jünglinge vom Pflug Und von der Arbeit nahm.
In diesem Jahr nahm auch der Ban der neuen Salineugebaude zu Salzhausen unter der Direktion des Hofkammerraths Langsdorfs feinen Anfang. In Madrid wurde die Svcietät der Freunde des Landes gestiftet. Rußland erhielt ein neues Gesetzbuch unter Catharina II. (Fanpp macht seine iu Ostindien erlernte Methode : Neue Weinberge auzulegeir und alte zu verjüngen, bekannt. Die deutsche Dichtkunst erhebt sich zu einett glänzenden Periode. Gedichte, Musenalmanache, Schauspiele, Romane in Menge. Rammelt tritt zuerst unter de» deutschen Gartnern als Schriftsteller auf Cook und Clerke treten eine Reife um dle Erde an.
i?77» Albrecht v. Haller fHrbt, Periode der GaSneriadeu, Nekromantie, Magnetisirung, SomnambuliSme, Des- organifativnen. Würtemberger Truppen gehen in holländischen Sndsidien nach Ostindien. Die Universität zu Giessen erhält eine Kammerfacultät. Paris erhält feine erste Leihbank. Der Bau deS Kanals zwischen Kiel und Rendsburg nimmt feinen Anfang, Der Pfarrer Ar/ noldi zu Großenlinden bei Giessen errichtet eine Schule für Taubstumme mit dem besten Erfolg.
(Fortsezzung folgt.)
Be-
*) So z. B. wurde das Punschtrinken seit jener Zeit weit allgemeiner. Der neueste Krieg machte uns mit dem JSau de vie bruU und der Gloria be- tfliiut*


