Ausgabe 
30.5.1801
 
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Zigeuner, Zmgari.

(Verfolg.)

Jenes Land Asiens dessen Altertbum der Cultur weit über unsre Geschichte hinausgeht, ich meine Hiudvstan, ist auch das Vaterland unsrer Zigeuner, Dieses Hochland Asiens war schon in den ältesten Zeiten bewohnt, und schon vor dritthalbtausend Jahren, hatte die­ses Land dieselbe Regierungsform, Su­ren, Gewohnheiten, Handwerker, Künste, Religion, Menfchenracen wie izt. Man darf nur den Herodot und Arrian nach- schlagen, und damit die neuern Schrift­steller, besonders Herrens Jdeen B.lt. und Mciners Beobachtungen über Asien vergleichen. Sogar die Sprache, die noch heut zu Tage in Indien gesprochen wird, war dieselbe Sie waren damals schon in Casten getheilt, und unter die­sen machen die Sudder (Schürers) die vierte und zahlreichste aus. Sie theilr sich nach Sonnerat in dierechteund linke Hand. Den untersten Stämür machen die Parias aus. Sie werden von den übrigen verabscheut, müssen sich von ih­ren Wohnungen entfernt halten, in elen­den Hütten wohnen, ihre Brunnen mit Knochen einfassen, damit niemand An­ders daraus rrinke. Wenn sie die Er­laubnis erhalten, mit einem andern In­dier zu reden; müssen sie die Hand vor den Mund hallen, damit ihr Odem sie nicht berühre. Die Braminen dürfen sie gar nicht anseheu, und die Parias müssen fliehen , sobald sie einen erblicken.

Von diesen stammen nuif unsre Zi­geuner ab. Als nämlich der bekante Üimür im Jahr 1408 und 9, an der Spitze seiner siegreichen Mongolen, in Hmoustau emdrauz, und einen Theil

dieses uralten Landes eroberte, begien- gen seine Truppen die grösten Grausam­keiten. Die höher» Casten erduldeten sie, M sogar den Tod eher, als daß sie ilw Vaterland Verliesen, aber von den Pa­rias zog ein Theil aus. Wenige Jahre nachher erschienen diese Emigranten itt Europa, und schon 1417 kamen sie in so gro,er Anzahl nach Teutschland, daß Stumpf blos diejenigen, welche durch die Schweitz zogen, auf 14002anschluq. Seit teuer Zeit, also fast seit 402 Jah­ren leben die Zigeuner unter uns, und haben auch in uuferm Clima bis in die zwölfte Generation, die Eigenthümlichs keiten mir olivengelber Farbe beibehalten, welche folgende find:

1) angestammte oli'vengelbe Farbe. Diese Farbe erbt fort, und ist ein we­sentlicher Caracter einer Race, die wenn sie die Natur einmal gebildet hat, kein Clima mehr umznformen vermag. Man darf dieseFarbe also nicht mir derSchminke verwechseln, die ein Clima auflegt, und das Andre wieder weguimmr. Diese oli- vcngelbe Farbe der Zigeuner rührt auch nicht von Schmutz und Unrcittlichkeit her. Sie ist ihnen angebobren, wird mit den Jahren tiefer, und sie bleiben Umbrafar­big, sie mögen sich waschen wie sie wol­len. Die Epidermis ihres Gesichtes glänzt wie ein Goldschlagerblättchen, und ihr Gesichtsschnitt ist fremd.

2) Sie haben kleine Hande, welche immer feucht aber dabei kalt sind, und ihre Finger sind an den Enden zugespizr, nicht so rund als bei uns. Dies ist auch ein wesentlicher Karakrer der Hindus, und man leitet davon ihr feines Gespinnste her. Die Handgriffe ihrer Säbel sind für Europäer viel zu enge. Mit den Werkzeugen, womit ein Indier den fein­sten Battist macht, könnte ein Europäer

kaum