Ausgabe 
8.8.1801
 
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Anweisung, gutes Bier, das nicht bald sauer wird, zu brauen.

(Verfolg.)

6) Sobald man wahrnimmt, daß die Frucht in den Malzhaufen bey dem Wachsen zwey bis drey kleine Wnrzel- chen an den Körnern bekommen hat, so müssen Leute da seyn, die den Haufen rröfnen und die zusammengewachsenen plumpen zerreiben, so daß die gewach­senen Körner einzeln da liegen, und ganz kalt und trocken werden. Würde man Die Frucht sehr lang wachsen lassen, so wäre viele Kraft fort, und das Vier würde trübe und sauer. Würde man das Malz feuchte auf die Darre bringen, so Lekame man auch unfehlbar verdorbnes Bier. Deswegen muß es, wenn es ge­lhörig gewachsen ist, oft mit einer Schau­fel gelüftet und mit einem Rechen um­gerührt werden, bis die Körner wieder ganz hart und trocken geworden find. Diejenigen, welche das Weißbier lieben, lassen es hierbey bewenden und haben «un Luftmalz. Wer bey den. Trocknen des Lnftmalzes eilt, und es deswegen tin die Sonne bringt, hat eben den Scha­den, den jene haben, welche die Frucht lbey großer Hitze zu schnell wachsen lassen.

7) Diejenigen, welche Darrmalz ha­ben wollen, müssen auch eine gute Darre haben. Das ganze Gebäude habe ich nicht nöthig zu beschreiben. Die schie­fen Flachen, worauf das Malz rösten soll, haben einige von hölzernen, an­dere von drathernen Gittern, und wie­derum andere von einem Gewebe aus Pferdehaaren. Jedes hat seine große Unbequemlichkeiten. Ich lobe die, wel­che von Eisenblech mit kleinen und en­gen Löchern gemacht worden sind. Wenn SWN dgö Malz, wie es natürlich ist,

darauf überall gleich hoch gelegt hat, so muß man es-nun etwas öfterer als sonst, mit einer Schaufel wenden, bis es hin­länglich gedörrt ist. Woran kann ich aber das sehen? Wenn es gelbbraun aussiehet, wenn es platzet und zugleich die Schaufel, womit es umgerühret wird, nicht mehr feucht ist. Wenn man dem Biere eine dunkelbraune Farbe geben will, welche viele lieben, so muß man nicht die ganze Menge des Malzes zu dieser Absicht stark rösten, denn alsdann ver­flieget vieler Geist von dem Malze, der in das Bier kommen muß, und dasselbe schmeckt auch hernach erwaS kralligt, und erregt mehrer» Durst. Es thut eben die Dienste, wenn ich den zwanzigsten Theil des Malzes länger auf der Darre und es ziemlich braun werden lasse.

Ich sprach vo/hin, daß man am be­sten thäte, wenn man den Hafer, wel­chen man unter daö Malz rhun wollte, besonders auf die Darre brächte. Die Ursache besteht darinnen, weil er stärker und länger gedörrt werden muß, als die Gerste. So >st es auch mir dem Waizen, wenn er zum Braunbiere kommen soll.

8) Es giebt schlechtes und saures Bier, wenn man nicht gleich völliges Feuer unter die Darre macht und cs auf diese u eije bis an ba& Ende un­terhalt. Deswegen darf man auch kein weiches, sondern hartes Holz dazu neh­men. Ich glaube, es muß auch beydeS des Rauchs halber geschehen, der von dem Malze aus alle Art abzubalken rst. Uebrigens brauet sich das Malz, wel­ches auf diese Art gemacht worden ist, ungleich besser aus, als jenes, welches im Anfänge und am Ende mit gelindem Feuer gedörrt worden ist.

9) Endlich muß ich bey dem Malze noch diesen Umstand anführen, daß ich weder zu frisches , noch zu altes neh­

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