Ausgabe 
1.8.1801
 
Einzelbild herunterladen

) irr (

Anweisung, gutes Lier, das nicht bald sauer wird, zu brauen.

(Verfolg.)

2) Auch nicht zu wenig. Ich kenne Leute, die machen aus einem Wei- marifchen Scheffel Malz noch anderthalb- mal so viel Bier, als sonst geschiehet. Fraget nicht, wie es ist ! Es ist leidlicher Kofent, und wird auch so bald sauer, wie Kofent. Was ist denn aber hier wohl das rechte Maaß und Verhältnis? Ich könnte antworten: Nach eines je­den Geschmack. Doch damit komme ich wohl nicht aus, denn ich will ja lehren, gutes und haltbarts Bier zu brauen. Darum will ich meine Meynung sagen. Man kann aus (einem Weimarischen Scheffel, (der eben so viel als ein hal­bes Arnstädter Maas ist; oder darinn zwey und ein halber einen Gothaischen und Rudolstadter Scheffel ausmachen), zwey Eymer, den Eymer zu vierzig Kan­nen gerechnet, brauen lassen > Wenn man auf diese Art, wie ich angeben will, dabey zu Werke gehet, so wird das Bier stark genug, und man kann es beynahe ein halbes Jahr lang halten. Willman aber Lager- oder Märzenbier, das sich über ein halbes Jahr lang halten soll, haben, so muß man auf einen Weima­rischen Scheffel nur anderthalb Eymer rechnen und darnach gießen. Es wird es nun ein jeder nach seinem Gemäße ausrechnen. Ich wünschte aber, daß die Hausväter oder Brauherren ihr Malz nicht nach den Scheffeln, sondern nach den Pfunden rechneten. Wenn man es wiegt, weiß inan.eigentlich, was man har. Manchmal ist das Malz ein wenig lang, manchmal kurz gewachsen. Da siebet ein jeder leicht ein , daß bev -em Messen dieser rweyerley Arten von Malz rin großer Unterschied ist.

3) Wenn ich nun gehörige und hin­längliche Gerste habe, so kann ich sie einschutten. Da darf ich aber die Gerste weder zu lange, noch zu wenig wei­chen lassen. Hierauf kommt sehr viel an. Wann weiß ich denn aber, daß sie genug geweicht ist? Alsdann , wenn ich ein Korn der Länge nach zwischen den Daumen und Zeigefinger nehme und be­merke, ob sich die Spitzen des Korns leicht biegen lassen. Ist dieses, so ist die Gerste genug geweicht. Manche beis­sen auch wohl ein Korn auf, und sehen alsdenn zu, ob sie damit weiße Striche auf einen Tisch schreiben können. Die­ses ist auch eine gute Probe, die man zu jener fügen kann.

Hiernäckst muß man dafür sorgen, daß sie überein quillt. Man muß des­wegen darauf sehen, daß alles unter Wasser stehet.

5) Wenn die Gerste überein gequol­len hat, und hinlänglich geweicht ist wird sie auf Hänfen gebracht, darinne sie sich erwärmt und wüchset. Das ge- schiehet auf einer Tenne, deren Fußbo­den mir Backsteinen ausgelegt ist Hier muß man sich hüten, daß man sie nicht in allzuheißer Luft wachsen lasset. Es kann feyn, daß während dem Mäl­zen, oder wenn die Gerste in Haufen zum Keimen gebracht werden soll, große Kälte einfällt Die Gerste hat manch­mal mit Aerten aus dem Weichbottig ge­hauen werden müssen. Dieses ist auf alle Fälle eine mißliche Sache, uud die in Haufen gebrachte Gerste hat mit Tü­chern bedeckt werden müssen , bis sie sich von innen heraus erwärmt hat. Wenn es die Noth nicht erfordert, muß man im harten Winter kein Malz machen. Die Keime werden nicht überein. Die äussere Gerste, auf welche die Kalte drückt, kann nicht so wachsen, wie die

innere.