Ausgabe 
20.12.1800
 
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Bescheidene Weissmg an die unbegrenzten Lobredner und" Lobrednerinnen der alten Zeiten»

Es ist in der. That eine gross mora­lische und Vaterlandssüude: gegen^ sein Zeitalter undankbar zu seyn, eine Sünde,. Sie täglich von vielen alten Sündern und Sünderinnen begangen wird». An ihnen liegt es: das Zeitalter nicht gut und schlimmer zu finden, als es ist; sie sind es, die sich nicht mehr fortbilden, und sich also dadurch unfähig machen, von dem Geiste der Zeiten erleuchtet und er- rvarmt zn.werden. Da sollen immer die alten Zeiten und alten Menschen besser gewesen leyn» Wo steht denn das ge­schrieben ?

Wie lang ist es, daß Galgen und Rader noch reichlich gespickt an Landftra- fen prangten, daß man gute alte Müt­terchen zur Ehre Gottes verbrannte, daß rnan allerlei Marter - Instrumente für Jnqnisiten ersann, daß bisweilen Räu­berbanden selbst die Städte beunruhig­ten, und manchen Tag Diebe zu Dutzen­den wie Krammetsvögel aufgehangen wurden? Wie lang ist es, daß man es ganz natürlich fand, Ohren abzuschnei­den , Finger abznhacken , Nasen zu schli­tzen, und das Alles von Rechtswegen? Wie lang ist es, daß man Bauern ver­schenken konnte, wie junge Hunde, daß die Mutter ihres Kindes vergsß, und sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Lei­bes ? Sie band ihm ein Glockenseil den Hals, sezte ibn auf den Altar, und schenkte ihn dem Kloster zum Leibeigenen, in falutem amm ie. Das waren ja aller­liebste alte Zeiten!

Hier noch einige kleine Beitrage:

Unter der Regierung des Herzogs Antvu Ulrichs, war nur ein einziger ge-

schworner Arzt im ganzen Herzoglhum Würtemberg. Erft ^559. wurden in. 4 Städten Aerzte verordnet.

Bis ans" Ende des 15te» Jahrhmr- dertes war nur eine Apotheke im Lande, und zwarzuCtuttgard. Die ersten Apo­theker waren zugleich Lebküchler, weil sie sonst nicht genug Absatz hatten.

Die ersten Geburtshelfer waren Schä­fer und Hirten, sie trieben dieses Hand­werk ganz öffentlich. Aber 1580. ward es ihnen scharf untersagt, wegen ihrer Unbarmherzigkeit und groben Instru­mente , auch um christlicher Zucht willen.

Liebe Mütter und ehrsamen Frauen l daß keine Schäfer und Hirten mehr in euern lebendigen Leibern wühlen, daß die gebildete feinere Hand des geschikten Arz­tes , euch eurer Bürde menschlich und schonend entledigtdas ist doch wohl auch keine geringe Wohlthat, welche die neue Zeit euch darbietet!.

Bekanntmachungen.

T) Da der Fuhrmann und Gemeinds- manu Johannes Christ, zu Cichelsdorf, eine sein Vermögen bei weitem überstei­gende Schuldenlast cvntrahirt har, so ist gegen denselben der förmliche Coucurs erkannt worden. Es werden daher alle, sowohl b kannte als unbekannte Gläu­biger hiermit vorgeladen, sich so gewiß Mittwochs den 7ten Januar 1801, dahier einzufinden, und ihre Forderungen li­quid zu stellen, als sie widrigen Falls von der Masse ausgeschlossen werden sol­len. Nidda den atenDec. igoo.

Fürst!» Hess. Amt das.

Sell.

2) Bei

*) Weisse rs MchMteri von den Gesetzen des Herzogtburnö Mttenhem, SluttMd izsu