Sparkassen für das Gesinde.
a) Spar- und Leih-Rasse zu Riel.
Die Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde zu Kiel, richreke vom Anfang an ihre Aufmerksamkeit darauf; der dasigeu Armenpflege die Zahl der wirklichen Norh- fälle, in welchen sie Hülfe darbietetzu vermindern, und dadurch selbst diese Hülfe mit der Zeit immer mehr entbehrlich zu machen. Die Gesellschaft durfte eS nie aus der Acht lassen, daß auf der einen Seite das öffentliche Allmosen, durch die Beitrage der Fleisigen, Sparsamen und Bemittelten zusammengebracht,— für Diele immer eine Abgabe von ihrem mühsamen Erwerb ist: eine Abgabe, die mehr oder weniger fühlbar. Einzelnen sogar beschwerlich werden kann — und daß es auf der andern Seite die Pflicht eines jeden Menschen ist, die ihm keine bürgerliche Einrichtung erlassen darf, dahin zu streben, daß er mit seinem Unterhalt, seinem Nächsten nicht beschwerlich werde. Die beste Verwaltung der Armenpflege, erhalt ihre Pfleglinge doch immer in einem Stand der Unmündigkeit und Abhängigkeit. Sie kann den ihr obliegenden Theil der öffentliche» Sicherheit , vielleicht nie ganz ohne Zwangsmittel haben, und um dieser unvermeidlichen Einschränkung der bürgerlichen Freiheit willen, müssen die Armen-Ver- sorger noch. mehr darauf bedacht seyn, die gegenwärtig zu versorgenden Armen, zur Selbstständigkeit znrückzuführen, und denjenigen, welche am häufigsten der Verarmung ausgesezt sind , die Mittel «nd Wege zur unabhängigen, und selbst- eigenen Versorgung zu erleichtern. Die Nothfälle, welchen die öffentliche Armenpflege abhilft, werden freilich, bei aller Vorsicht der Einzelnen, und bei der besten Negierung, nie ganz von den menschlichen Schicksalen zu trennen seyn.
Auch der weisere nnd bessere Mensch bleibt zu kurzsichtig , um vor allen Begegmssen, die ihre fremde Hülfe nvthig machen kö»r- nen, immer genug auf seiner Hut zu seyn. Darum ist es unser aller Beruf, ist Bedürfnis undWohlthat für Alle, daßwir uns einander menschenfreundliche und mit bürgerliche Hand reichen. Allein es giebt doch auch manche Vegegnisse, die wir zu zu sorglos Zufall und Schicksal nennen , welche die menschliche Vorsicht theils abwenden, theils erleichtern kann und es ist in jeder Gemeinde die Sache der Einsichtsvolleru, Erfahrner» und Wohlwollendern, ihren Ursachen nach- zuforschen, und sie vermeiden zu lehren. Denn: gesezt auch, es liefe sich den einmal Verarmten in einem gewissen Alter sehr selten nur wieder anfhelfen ; so ist es desto dringender, daß wir die Zahl der schon Verarmten, wenigstens so wie sie jezt ist, zu begranzen suchen. Können wir nur wenige Arme in den Stand der bürgerlichen Selbstständigkeit zurnckfüh- ren z so müssen wir desto emsiger diejenigen unsrer unbemittelten Miteinwohner, die sich noch in demselben befinden, darin zu erhalten suchen. Nirgend ist die bürgerliche Gesellschaft noch so gerecht und weise geordnet: Uiberall ist der Unwissenheit und Sorglosigkeit in dieser Classe noch zu viel, als daß es schon izt Zeit wäre, jedem sein Hauswesen ohne Unterricht und Leitung anheim zu stellen. Wahrlich l es srnd dervermeidlichen Noth- salle auch ui unsrer Stadt noch manche. Unerfahrenheit und Leichtsinn auf der erneu, theuer erkaufte oft nur scheinbare Hulse, und blutgieriger Wuchergeistauf der andern Seite, untergraben das Einkommen. Es ist also Zeit, daß eine mehr angemessene, wirksamere Hülfe dar- geboten werde: daß das vernünftig geleitete Wohlwollen der Guten, 'jeueir schändlichen Künsten entgegen arbeite, und


