Ausgabe 
26.6.1770
 
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und Nachrichten.

sich diejenige deS Menelai, eines frommen und gelchrtM Geistlichen, und der junge Silvio mein Anverwandter gesellet.

Sie kommen nur auch bald anders zu uns , und machen mir das Vergnügen bewust , Sie in unfern Grunzen hinfüro beständig zu wissen; Sie werden ja des Herumreisens in der Welt endlich auch einmal müd- werden, und alsdann werd ich ihnen mit Wahrheit die Wotte deS beruhln- tea Virgilii entgegen ruffen können:

O Melibtee! Deus nobis haec oria fecir.

Da ich also der Einsamkeit und denen Büchern ergeben, so wollen sie ge­ehrter Themiües, darum nicht glauben, daß ich zugleich mich der mensch­lichen Gesellschaft dadurch mit einer verdrießlichen Eigensinnigkeit zu entzie­hen gedächte: Mein Hauß und Garten stehet niemand verschlossen , doch leyd ich keinen Zwang , emem jeden ohne Unterscheid, darinnen ouszuwar- ten, denn da ich nicht weit von einer großen Stadt entfernet bin , fD mangelt mir es auch nicht an Zuspruch von allerhand Leuten, denen ich, nachdem ße mir anstehen, bald abwesend bald gegenwärtig bm.

Meine Tafel hat schier täglich ein paar Aufdecke vor Fremde, und Meine Bediente haben vergleichen vor Leute ihrer Gattung, Die Gastftey- heit scheinet mir noch eine heilige Gewohnheit des frommen Altert hu mS, und verbindet die Menschen zu mehrerer Eintracht und Liebe. Mein grö- steS Vergnügen ist, iedermann bey mir vergnügt zu sehen. Meine Freun­de , die mich sezuweiken in meiner Einsamkeit allhier besuchen kommen, heb ich mit vieler Zärtlichkeit; ich bin vabey mit ihnen frey, ungezwungen, offenherzig, ohne Argwohn und vielen Ceremonien; Meine liebste Unterre­dungen mit ihnen sind diejenige, die auf unsere Besserung hinaus lau­fen, unsere Crkenntnüffe fest fetzen, und unsere Wissenschaften vermehren. Meine Beschäftigungen bestehen an jetzo vornehmlich im Bauen, im- cherlesen und im Briefschreiben; daS HauS , welches ich bewohne, ist mehr ein Denkmahl des Alketthnms unseres Geschlechts , als ein nach der Baukunst und Bequemlichkeit eingerichtetes Gebäude, verohaiben ich an- Kefanqen, einen Theik davon Niederreißen zu lasten , inzwischen ich dm an­dern Tbeil in eine bessere Eintheilung der S^mächer zu bringen suche. Die­ft kleine Unruhe, in Ansehung der handlanger und Arbeitskeute, Vie ich dadurch m Bewegung setze, gibt meinem Geist eine angenehme Belusti-

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