Ausgabe 
20.11.1770
 
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Z7^ Messisthe wöchentliche gemeinnützige Anzeigen

so dürchschneiden wir die etwas zurückbleibende Luft, und eS entstehet daher em Wind von Morgen gegen Abend , welcher bey dem grüßten Cirkel den vre Erde in ihrer Umdrehung beschreibet, wo sie nämlich den größten Raum durchlauft, daS ist um die Linie, wie man gemeiniglich spricht, oder um den Aequacor, am merklichsten ist. Bey uns kann dieses wegen angeführter Ursachen, und weil stärkere Bewegungen von andern Gegen­den her diese unempfindlich machen, nicht so empfunden werden, als wie es um den Aequator geschiehst. Dorten nämlich hat man einen bestän­digen Wind von Morgen gegen Abend zu spüren. Um einigen Lesern bc» greift ich zu machen, wie ein leichterer Körper sich mit wenigerer Kratt be­wege , so führen wir sie auf folgende Erfahrung. Man werfe Stücke Holz, Stein, und Bley von gleicher Größe vor sich hin, oder von nner Höhe herunter; so wird bas Bley zuerst oder am weitesten, und das Holz zuletzt oder am wenigsten weit fallen, dieses aber ist das leichteste und je­nes das schwereste unter diesen dreyen Körpern,

Wie kommt es nun, das ist eine Frage, welche leichtlich hier ge­schehen kann, daß das Barometer fällt, ehe ein Wind kommt? was ha­ben diese angezeigten Ursachen mit demselben vor Verbindung? Wir ver­schieben diese Beantwortung und stellen ehe wir schlüsen müssen, eine Bttrach- z tuna an, welche jeden Menschen geziemet, ja von ihm gefodert wird.

Ist es wohl genug , wann man bey Erklärung und Betrachtung der Begebenheiten der Natur nur es bey Bearbeitung des Verstandes be­wenden lasset? Nein unser Herz darf dabey nicht müsig ftyn; wir müssen allemal dabey eine Anleitung nehmen zur Betrachtung des Schöpfers dasselbe zu erheben; seine weise Abfichten nach Möglichkeit erforschen; und uns gewöhnen durch Vetrachtnng der Natur Gott zu verherrlichen. Wir werden meistentheils Spuren einer weisen Einrichtung entdecken , und ker­ne Betrachtung ist an und für sich so unfruchtbar, daß sie hierinnen nicht *miacn Stoff darreichen sollte.

Man darf nur den Nutzen des Windes im grosen übersehen. Ohne die Bewegung der Luft würden die Ausdünstungen von Menschen und Vieh immer an einer Stelle bleiben, und uns bald ködtlich werden; keine Regen von der See zu uns herüber gebracht werden, um die Lust abzuwaschen und zu rei­nigen und den Pflanzen Nahrung zu ertheiken. Viele Arten von Ge­wächse die heilsame Artzeneien sind, welche die Menschen der Sorgfalt der

Natur