Ausgabe 
3.6.1770
 
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ftanb und Wissenschaft haben, geben sich gemeiniglich eine große Mühe, andern eine gute Meynung von ihrem grosen Verstand, ihren Einsichten und Geschicklichkeiten deyzubrmgen. Pflegen sie wohl in ihrem Unterneh­men glücklich zu seyn?

Ein Mann der zu grölen Ehren oder Ansehen gelangt ist, wird ge- meinigtich m dem Ort seiner Geburt verachtet; der Neid zieht einen Schat- ten über alles, außer nur nicht über die Fehler, die er vor seiner Erhö­hung an sich gehabt hat.

Jedermann glaubt seine Glückseeligkeit bestehe in dem Besitz dessen was er liebt, und nicht in dem Besitz dessen, was wahrhaftig liebenswür­dig ist.

Die wahre Ehre besteht darinnen, daß man thut, was unsre Schuld digkeit von unö fordert, es mag auch noch so gering oder beschwerlich seyn.

Viele Menschen bringen ihr ganzes Leben mit Verlangen und Wünschen zu. Ihr Geist ist in einem beständigen Traum, ohne daß er weiß wo er hin will, noch wo er bleiben will.

Es ist schlecht, daß wir Menschen so emvfindlich sind, gegen alles was uns nicht angeht, und so un-mpfinnln-b osgen alles, was uns in der That angeht.

Es kostete den Menschen weit weniger Mühe seine Fehler zu verbes­sern, als mit so viel List, als die meisten anwenden, zu verbergen.

Es ist Mangel deS Verstandes die Gefahr nicht zu sehen: aber es ist Dummheit oder Verwegenheit dieselbige nicht zu fürchten und sich ohne Noth hinemzustürzen.

Die Stammbäume verändern stch mit dem Glück: dieses versorget die Reichen mit einer grosen Menge von verwandten, und läßt die Armen fast ganz allein.

AvertiHement.

Der Buchhändler Buchenrüder und Ritter in Hamburg lassen auf Prännmeration drucken, Schauplatz des gegenwärtigen Krieges. Wer dazu Belieben tragt kann bey dem Buchhändler Krieger allhier in Giesen mit ein Mark Cour oder 45 kr. auf das Exemplar gegen den Originalschein pränumemen.

Em-