Ausgabe 
29.5.1764
 
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wöchentlich-

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Mb Wachrtchken.

Zwey und zwanzigstes Stück.

Drettstags dm L-em LNav 1764.

Mit Hochfürstl. Hess.n-Darmstadtischer gnädigsten Erlaubnis.

Emgesatt-ee Betrachmrrgeir über bett Frühlmg.

unendlich bewundernswürdig die Schönheiten überhaupt sind, welche der Schöpfer der Dinge uns zu allen Jahrszeiten vor Am gen legt,, so reizend und neu sind insbesondere die Annehmlichkei­ten dieser gegenwärtigen Zeit/ des Frühlings. Itzt scheint sich die Natur zu verjünge«/ die wir vor einiger Zeit wie ganz erstorben und aller ihrer Kräfte beraubt sahen. Die edelsten Vergnügungen/ die wir in ihrer Be­trachtung empfinden können > waren uns versagt. Keine blühende Auen, kein riesender Bach keine schattigte Laube/ kein erquickender West/ kein Lied der klagenden Philomele lockte uns zu sich. Alle diese Quellen der reinsten und edelsten Freuden schienen auf immer vertrocknet zu ftyn. Wel­cher Schauplatz des Vergnügens eröffnet sich itzt / da jene finstre Decke in der dieNatur verhüllt war / hinweg gezogen wird. Jeder empfindet neu- und stärkere Triebe die Reize der Natur zu geniessen. Unsere Seele erhei­tert sich/ wie sich unsre Atmosphäre erheitert/ und unser Herz ist dem un­schuldigen Vergnügen ganz geöffnet. Die Mannigfaltigkeit der unzählba­ren Geschöpft gibt Dem forschenden Geiste immer reichen Stoff zu Betrach- Wgen, und zeigt ihm täglich neue Wunder, die ihn in Erstaunen Hinreiffen.

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