Ausgabe 
25.12.1764
 
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von der Geschichte der Welt mit tausend Beispielen bestärkt wird. Nichts ist schwerer, als einen Menschen, und noch mehr, ein ganzes Volk da­hin zu bringen, daß es von der Religion seiner Vatter abtritt, einen neuen Glauben annimmk, und die Lehren desselben bis zu seinem .Tode behauptet und verkheidigt. Ich könte diesen Satz mit Gründen bestärken, die mir schon die blose Betrachtung der menschlichen Natur darbietet. Aber ich habe diese Beweise nicht nörhig. Ein einziger Blick in die Geschichte ver­nichtet alle Zweifel, die wider diese Erfahrung entstehen könten. Offnen Sie nur die Erzählungen, welche uns täglich von dem Erfolg der bekann­ten Missionen geliefert werden. Welche Mühe, welche Beredsamkeit muß der christliche Gesandte anwenden, bis er den Götzendiener, den er bekehren soll, nur dahin bringt, daß er seinen Beweiseri von der Nichtigkeit der heidnischen Religion mit einiger Aufmerksamkeit zuhört! Er halt bey sei­nem Götzendienst, west er die Religion seiner Vatter ist. Er verachtet je­de andere Lehre, welche die seinige zu Boden stürßt, und wenn er auch so weit getrieben worden ist, daß er die Falschheit seiner GlaubensMeimmgen einsehen muß: so bleibt er doch nicht selten hartnäckig genug, dem.Rufe zu einer bessern Religion zu widerstreben. So schwer ist es, einen Men­schen zu bewegen, daß er die Religion, in der er erzogen ist, verläßt, und ein Mitglied einer neuen Kirche wird. Alle diese Schwierigkeiten, die mit her Bekehrung des heutigen Unglaubens verknüpft sind, fanden auch m den Zeiten stakt, in welchen die Apostel des Erlösers das Christenthum wusdreiteten. Weil sie aber doch in einem ZeitRaum von zehen oder zwan­zig Jahren fast die halbe Welt mit der Lehre des christlichen Glaubens er- . füllt hatten : so müssen die damahligen Bewohner des Erdbodens die stärk­

sten, die mächtigsten Gründe gehabt haben, ihren natürlichen Neigun­gen zuwider zu handlen , und die geliebte Religion ihres Vatterlandes mit dem Gottesdienst der Christen zu verwechseln. Und was für Ur­sachen können von dieser sonderbaren Veränderung angegeben werden. Natürliche, oder übernatürliche? Wenn ich das letzte beweisen kann: so habe ich bewiesen, daß die Religion der Christen keine Erfindung eines menschlichen Witzes, sondern ein Werk der unendlichen Macht sev, die al­lem vermögend ist, die Gesetze der Natur aufzuheben , und durch überna- - türliche Thaten ihren Gesandten den Beifall der Welt zu verschaffen.

Wenn ich die natürliche Ursachen überlege, die einen Menschen be­wegen könten seine angebohrne Religion mit einer fremden zu vertauschen: so